Do., 29.01.2026 , 15:03 Uhr

Weiden

Champagnerprozess, Tag 12 – So viel Glück hatten die Schwerverletzten

Zwölfter Verhandlungstag im sogenannten Champagner-Prozess in Weiden. Ein Rechtsmediziner war Hauptzeuge. Auch eine Entscheidung über eine Haftentlassung des angeklagten Niederländers war geplant.

In Fußfesseln sitzt der angeklagte Niederländer im Gerichtssaal am Landgericht Weiden. Ob das so bleibt, war eines der entscheidenden Themen am heutigen zwölften Verhandlungstag im sogenannten Champagner-Fall. Verteidiger Alexander Stevens hatte vergangene Woche nämlich die Aufhebung des Haftbefehls beantragt. Eine Entscheidung war für diese Woche geplant, wurde aber vertagt – bis die Hauptbelastungszeugen aussagen.

Die Hauptbelastungszeugen sollen in rund einem Monat per Video vernommen werden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, als Logistiker einer Bande MDMA gelagert zu haben – eine Base, aus der Ecstasy produziert werden kann. Auch jene Flasche, die im Februar 2022 in einem Weidener Lokal gelandet ist. In der drei Liter großen Champagner-Flasche war statt Champagner MDMA. Ein Mann starb, sieben weitere wurden zum Teil schwer verletzt.

Lebensgefährliche Dosis MDMA

Ein Rechtsmediziner klärte vor Gericht heute auf, wie konzentriert das MDMA in der Flasche war. Zwar gaben die Geschädigten an, nur einen kleinen Schluck davon genommen zu haben, aber selbst in einem kleinen Schluck sei der Wirkstoff von mindestens acht Ecstasy-Tabletten enthalten. Und das sei lebensgefährlich und potenziell tödlich.

Folgen für die Geschädigten: Kreislaufzusammenbrüche, Überhitzung, Verkrampfungen. Teilweise, so beschrieb es der Rechtsmediziner, mussten die Verletzten sogar beatmet und ins Künstliche Koma versetzt werden. Dass ein Mann nicht überlebt hat, führt der Sachverständige auf Risikofaktoren wie Übergewicht und auch auf das höhere Alter im Vergleich zu den anderen Geschädigten zurück. Doch viele davon hätten bei Tausenden von Nanogramm MDMA im Blut auch Glück gehabt. Ecstasy-Konsumenten kommen normalerweise über einen Wert von 100 bis 120 Nanogramm nicht heraus. Es sei also auch reines Glück, dass in jener Nacht nicht noch mehr Menschen gestorben sind.

Am 6. Februar ist der nächste Verhandlungstag angesetzt.

(mz)

Alexander Stevens Champagnerprozess Gerichtsmedizin Landgericht Weiden Oberpfalz Oberpfalz TV OTV Prozesstag 12 Weiden

Das könnte Dich auch interessieren

22.01.2026 Champagnerprozess: Noch keine Entscheidung hinsichtlich Haftprüfung In der vergangenen Woche hatten die Verteidiger des Angeklagten den Antrag gestellt, dass dieser aus der Haft entlassen werden müsse. Es war ein Antrag, über den das Gericht am heutigen Donnerstagnachmittag beraten hat. Das Ergebnis: Binnen einer Woche will sich das Gericht in Weiden bei den Verteidigern schriftlich äußern, ob Haftgründe weiterhin vorliegen oder ob 15.01.2026 Champagnerprozess: Tragödie hätte noch größer sein können Da stockte den anwesenden Pressevertretern der Atem, als ein Zeuge erzählte, welches Glück er und seine Familie hatten, die ursprünglich aus der vergifteten Champagnerflasche trinken wollten. Der Mann hatte im Internet die Champagnerflaschen bestellt. Er wollte mit seinen Freunden und seiner Familie damals auf seinen 45. Geburtstag anstoßen. Wegen Corona fiel die Feier allerdings aus. 16.12.2025 23-Jähriger gesteht sexuellen Missbrauch seiner minderjährigen Halbschwester Vor dem Landgericht Weiden hat am Montag ein Prozess begonnen, der bei allen Beteiligten für große Betroffenheit sorgt. Ein 23-Jähriger muss sich wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner minderjährigen Halbschwester verantworten. Die Taten sollen sich über mehrere Monate erstreckt haben, als beide gemeinsam mit der Mutter in einer Wohnung im Landkreis Neustadt an der Waldnaab lebten. 05.12.2025 Giftiger Champagner: Prozess startet in Weiden Der Angeklagte soll laut Anklageschrift als Lagerist für ein Drogenkartell tätig gewesen sein. Die vergifteten Champagnerflaschen waren demnach in einem Lagerkomplex im niederländischen Arnheim in einer verschlossenen Box, sind dort gestohlen und über das Internet verkauft worden. Eine dieser Flaschen landete im La Vita in Weiden. Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht sehr eloquent und