Im Jahr 1947 war zwischen Schwandorf und Dachelhofen ein Pressack unterwegs. Viele kennen heute den Begriff des „Schleichenden Pressacks“ nicht mehr, doch hinter dem kuriosen Namen steckt ein Pionier der Elektromobilität – made in Dachelhofen, Marke Eigenbau. Der Schwandorfer Ortshistoriker Georg Wickles kennt seine Geschichte gut.
Elektromobilität aus 1947
Alles beginnt beim Kohlekraftwerk Schwandorf, besser bekannt als das Bayernwerk, in der Nachkriegszeit. Treibstoff war knapp, Mobilität ein Luxusgut. Doch die Arbeiter des Kraftwerks zeigten Einfallsreichtum: Es wurde ein alter Bus aus der Vorkriegszeit angeschafft, ein Mercedes-Benz O 1500. Die Arbeiter bauten den alten Motor aus und installierten einen Gleichstrom-Elektromotor zusammen mit einer Reihe schwerer Blei-Batterien. Denn eines war im Kraftwerk reichlich vorhanden: Strom.
Der Schleichende Pressack war geboren. Der Elektrobus hatte 14 Sitzplätze und rund 13 PS. Schnell war er nicht – ganz im Gegenteil. Gemütlich und leise schlich er über die Landstraßen. Kombiniert mit seiner rundlich-kompakten Bauform entstand der liebevolle Spitzname: „Schleichender Pressack“.
Ein verlässliches Zugpferd
Trotz seiner bescheidenen Leistung erfüllte der Pressack eine wichtige Aufgabe im Alltag der Menschen. Es transportierte Arbeiter ins Kraftwerk, brachte Hausfrauen zum Einkaufen und fuhr die Kinder der Beschäftigten zur Schule in Schwandorf. Das war ein großes Privileg – Während die Kinder der Kraftwerksarbeiter mit dem Bus befördert wurden, mussten andere Kinder aus Dachelhofen eine Behelfsschule im Pförtnerhaus besuchen.
Erst 1951 änderte sich die Situation grundlegend. Mit dem Bau einer neuen Schule wurde die provisorische Lösung überflüssig – und damit auch der „Schleichende Pressack“. Seine kurze, aber prägende Ära ging zu Ende. Heute kennen nur noch wenige die Geschichte des Pressacks, aber jetzt hat er vielleicht ja ein paar neue Fans bekommen.
(sb)