Mo., 08.02.2021 , 14:25 Uhr

Deutschland: Auf der Suche nach einem Atommüllendlager

Auf der Suche nach einem Atommüllendlager: Drei Tage lang wurden am Wochenende die potentiellen Standorte diskutiert. Coronabedingt online – was Kritik hervorruft.

„Das ist keine Art der Beteiligung, das ist ein Überrollkommando“. So schrieb einer der Teilnehmer der Online-Fachkonferenz Teilgebiete zur Suche nach einem Atommüllendlager an die Pinnwand. Drei Tage lang wurde am Wochenende der Zwischenbericht zur Standortfrage beim ersten Beratungstermin diskutiert. Coronabedingt online – was sehr schwierig ist bei so einem heiklen und komplexen Thema. Angemeldet waren 1.600. Oft waren weit mehr als 800 Teilnehmer gleichzeitig im Online-Plenum. Deshalb gab es am Ende auch viel Kritik an dem Format, etwa vom Bund für Umwelt- und Naturschutz.
Die Mitorganisatoren der selbstverwalteten Fachtagung waren jedoch zufrieden. Hier das schriftliche Resümee des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung:

Rund 1.600 angemeldete Teilnehmer, dabei bis zu 1.000 Personen, die gleichzeitig digital mitgearbeitet haben, über zwanzig Arbeitsgruppen und das über drei Tage in unterschiedlichen digitalen Formaten: Der erste Beratungstermin der Fachkonferenz Teilgebiete hat Menschen aus ganz Deutschland vom 5. bis 7. Februar die Gelegenheit gegeben, sich über den Zwischenbericht zur Suche nach einem Endlager-Standort auszutauschen. Das Besondere an der Veranstaltung: Die Fachkonferenz soll sich laut Gesetz selbst organisieren. Dazu hatte sich eine Arbeitsgruppe aus gewählten Teilnehmern einer Auftaktveranstaltung der Fachkonferenz im Oktober 2020 gebildet. Sie leistete die inhaltliche und organisatorische Vorarbeit für diese Konferenz.

Unterstützt wurde sie organisatorisch durch eine Geschäftsstelle aus Mitarbeitern des BASE (Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung). „Die Veranstaltung, die Inhalte und die Moderation waren gut, die Technik hat weitgehend funktioniert und die Geschäftsstelle hat uns nach Kräften unterstützt“, hieß es aus der Vorbereitungsgruppe zum Auftakt des dritten Tages der Fachkonferenz. In einer Umfrage zum Abschluss der Veranstaltung bewertete die Mehrheit der Teilnehmer die Fachkonferenz insgesamt positiv. „Das BASE spricht den Mitgliedern der Vorbereitungsgruppe seinen Respekt aus. Sie haben mit großem Engagement ein eindrucksvolles Programm aufgestellt“, betont Christoph Hamann, Pressesprecher des zuständigen Bundesamts.

Ziel der Fachkonferenz ist die öffentliche Diskussion des Zwischenberichts, den die mit der Suche nach einem Endlagerstandort betraute Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mbH Ende September 2020 vorgestellt hatte. Die Teilnehmer haben hierzu und zu weiteren Themen der Endlagersuche zahlreiche Hinweise und umfangreiche fachliche Kritik anbringen können. Alle Beiträge werden dokumentiert und sind bald auf der Informationsplattform zur Endlagersuche abrufbar. Die abschließenden Ergebnisse der Fachkonferenz hat die BGE mbH bei ihrer weiteren Arbeit zu berücksichtigen.

Die Teilnehmer der Konferenz haben über die zu diskutierenden Inhalte selbst bestimmt. Die wesentlichen Ergebnisse hier: Der Beschluss einer Geschäftsordnung. Die Fachkonferenz sprach sich darüber hinaus dafür aus, dass nach Abschluss der Beratungstermine ein vergleichbares Format der Beteiligung angeboten werden solle. Außerdem soll der ursprünglich für April 2021 vorgemerkte zweite Beratungstermin der Fachkonferenz auf den für Juni reservierten dritten Termin verschoben, der letzte Beratungstermin dafür im August durchgeführt werden. Es wurde zudem eine Entschädigung für Verdienstausfall für die Mitglieder der Vorbereitungsgruppe gefordert. Wie diese Vorschläge umgesetzt werden können, wird das BASE mit der Arbeitsgruppe der Fachkonferenz und den an der Endlagersuche beteiligten Akteuren beraten. Aus der Runde der Teilnehmer wurden zudem die Mitglieder der Arbeitsgruppe, die den kommenden Beratungstermin vorbereiten sollen, neu gewählt.

Insgesamt lässt sich feststellen: Digitale Formate können zwar nicht alle Möglichkeiten traditioneller Präsenztermine gleichwertig ersetzen. Die Ansprüche an eine moderne Beteiligung können mit ihr aber durchaus erfüllt werden. Mit dieser Konferenz sind bislang nicht praktizierte Wege der digitalen Beratung und Öffnung von Diskussionsforen mit bis zu 200 Personen entwickelt worden. Einmal mehr gilt, dass derartige Formate auch über die Pandemiesituation hinaus Möglichkeiten aufzeigen, die es mit Präsenzveranstaltungen nicht gibt – ohne aufwändige Anreisen und Übernachtungen.

Christoph Hamann, Pressesprecher Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mbH hatte Ende September 2020 den Zwischenbericht Teilgebiete, über den sich die Teilnehmer austauschten, veröffentlicht – darin wurden aus Sicht der BGE Gebiete wegen grundsätzlich fehlender geologischer Eignung aus der weiteren Suche ausgeschlossen und solche benannt, die zunächst weiter berücksichtigt werden sollen. Das BASE beteiligt bei dieser Suche die Öffentlichkeit und leistet für die Fachkonferenz Teilgebiete organisatorische Unterstützung. Inhalte und Gestaltung leisten die Teilnehmer in Eigenverantwortung. Der Gesetzgeber hat die Fachkonferenz Teilgebiete im Verfahren vorgesehen, um eine frühzeitige Beteiligung und Einflussnahme der Öffentlichkeit an ersten Ergebnissen im Verfahren zu ermöglichen“.

(gb)

2021 Amberg Atommüll Bayern Beratungstermin Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung Bundesgesellschaft für Endlagerung Corona digital Endlagersuche Fachkonferenz Teilgebiete gbeer Gerhard Beer Gerhard Theo Beer Granit Luhe Oberpfalz Oberpfalz TV OTV Radioaktiver Müll Wirtsgestein

Das könnte Dich auch interessieren

16.03.2026 Stichwahlkampf in Weiden Weidens Oberbürgermeister Jens Meyer von der SPD hat bei der Kommunalwahl am 8. März einen deutlichen Dämpfer hinnehmen müssen. Er erhielt 24,4 Prozent der Stimmen. Daher muss er am Sonntag in die Stichwahl gegen Dr.Benjamin Zeitler von der CSU, der am 8. März 42,8 Prozent erhalten hatte. Beide nutzen den Endspurt im Wahlkampf, um die 16.03.2026 Stichwahlkampf in Amberg Stefan Ott, der Oberbürgermeister-Kandidat der CSU in Amberg muss in die erste Stichwahl seit 1952 in Amberg. Er ist der Wunsch-Nachfolger von Oberbürgermeister Michal Cerny (CSU), der nicht mehr zur Wahl angetreten ist. Am 8. März holte Stefan Ott aber nicht die absolute Mehrheit, er bekam 40,8 Prozent der Stimmen. Sein Kontrahent in der Stichwahl 11.03.2026 Tirschenreuther Storchenpavillon wiedererrichtet Der Storchenpavillon in Tirschenreuth ist in wenigen Tagen wieder zugänglich. Die beliebte Aussichtsplattform war vor einem Jahr durch Brandstiftung zerstört worden. Damals hat Tirschenreuths Bürgermeister versprochen, den mehr als fünf Meter hohen Pavillon wieder aufzubauen. Kurz vor Ende seiner Amtszeit hat er nun sein Versprechen erfüllt. Nach Originalplänen ist das Bauwerk für 100000 Euro rekonstruiert 09.03.2026 Weiden wählt wieder Die Weidener Bürger werden erneut an die Wahlurnen gerufen. Am 22. März stehen sich in der Stichwahl erneut Jens Meyer von der SPD und Benjamin Zeitler von der CSU gegenüber. Wie bereits bei der Oberbürgermeisterwahl vor sechs Jahren. Doch dieses Mal sind die Vorzeichen völlig andere. Benjamin Zeitler hat aktuell einen riesigen Vorsprung. Er hatte