Mo., 13.07.2026 , 15:54 Uhr

Amberg

„Er wollte sie nicht anzünden“: Urteil im Prozess um Gewalttat in Familie in Nabburg

Stundenlange Misshandlungen, Drogen und der Vorwurf des versuchten Totschlags: Nach einer Tat im Oktober vergangenen Jahres hat das Landgericht Amberg heute sein Urteil gesprochen.

Das Landgericht Amberg hat einen 26-jährigen Deutsch-Thailänder zu fünf Jahren Haft verurteilt. Schuldig gesprochen wurde er unter anderem wegen versuchten Totschlags, Nötigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln.

Tatablauf

Die Tat ereignete sich im Oktober vergangenen Jahres über zwei Tage. Nach einem Streit schlug der Angeklagte seinem Vater zunächst mit einer Kaffeetasse gegen den Kopf – diese Tat hat der Angeklagte bereits an Prozesstag 2 gestanden. Am folgenden Tag eskalierte eine geplante Aussprache: Der 26-Jährige soll seinen Vater und dessen Ex-Partnerin über Stunden misshandelt haben, sie mehrfach geschlagen haben, sie unter Vorhalt eines Messers gezwungen haben Drogen zu konsumieren und seinen Vater bedroht haben, ihm mit einer Geflügelschere die Finger abzuschneiden, um ihn zur Herausgabe der Bank-PIN zu zwingen. Schließlich soll er die damalige Partnerin mit mehreren leicht brennbaren Flüssigkeiten übergossen haben und drohte sie anzuzünden. Das konnte nur verhindert werden, da nach einigen Versuchen keine Flamme mit dem Feuerzeug zustande kam. Laut Anklage stand er dabei unter dem Einfluss von Kokain, Crystal Meth und weiteren Drogen. Erst als der Vater aus dem Fenster fliehen und die Polizei verständigen konnte, endete die Tat. Die meisten Vorwürfe räumte der Angeklagte ein.

Plädoyers

Die Verteidigung sah keinen Nachweis für einen versuchten Totschlag. Verteidiger Dr. Gunther Haberl argumentierte, es gebe keine gesicherten Anhaltspunkte dafür, dass der Angeklagte die Frau tatsächlich habe anzünden wollen. Er verwies darauf, dass der 26-Jährige als starker Raucher ein Feuerzeug hätte entzünden können, wenn er das wirklich gewollt hätte. Das Geständnis müsse zudem strafmildernd berücksichtigt werden. Deshalb forderte er eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Die Staatsanwaltschaft beantragte dagegen sechs Jahre und neun Monate Haft. Letztendlich verhängte das Gericht eine Strafe von 5 Jahren Haft, und sah den Vorwurf des versuchten Totschlags erfüllt.

Drogenabhängigkeit und Urteil

Einig waren sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft bei der Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Der 26-Jährige ist seit mehreren Jahren drogenabhängig und gab an, sich nur eingeschränkt an die Tat erinnern zu können.

Der 26-Jährige muss nun zunächst für ein Jahr und vier Monate in die JVA, anschließend in eine Entziehungsanstalt. Danach muss er für den Rest seiner Strafe zurück in das Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

(kw)

Dr. Gunther Haberl Drogenabhängigkeit Entziehungsanstalt Familienstreit Freiheitsstrafe fünf Jahre Haft gefährliche Körperverletzung Große Strafkammer Landgericht Amberg Landkreis Schwandorf Nötigung Oberpfalz TV OberpfalzTV OTV Prozess Urteil Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte

Das könnte Dich auch interessieren

25.06.2026 Urteile im Bandenprozess am Amberger Landgericht gesprochen Vier Monate lang hat das Amberger Landgericht ein Mammutprozess beschäftigt: Auf der Anklagebank saßen fünf Männer aus dem Amberger und Schwandorfer Raum, die in einer kriminellen Bande gewesen und mit Waffen und Drogen gehandelt haben sollen. In den Plädoyers hatte die Staatsanwaltschaft für die fünf Angeklagten zwischen siebeneinhalb und zwölfeinhalb Jahren Haft gefordert. Nun sind 25.02.2026 Revision: Polizist akzeptiert Urteil nicht Im Fall eines Polizisten aus dem Landkreis Schwandorf wird es eine Revisionsverhandlung geben. Anfang Februar lautete das Urteil am Landgericht Amberg gegen ihn: 1 Jahr 6 Monate und 5.000 Euro, die er an den Kinderschutzbund Amberg-Sulzbach zahlen soll. Dem beurlaubten Polizisten wurde vorgeworfen, auf einer Internetplattform ein minderjähriges Mädchen zum Sex angeboten zu haben – 20.02.2026 Spektakulärer Bandenprozess Unter schweren Sicherheitsvorkehrungen ist heute in Amberg der Prozess gegen eine mutmaßliche Waffen- und Drogenbande eröffnet worden. Angeklagt sind fünf Männer im Alter zwischen 39 und 48 Jahren, die sich zu einer kriminellen Vereinigung zusammengeschlossen haben, um an Geld zu kommen. Sie sollen mit Drogen und Kriegs-Waffen gehandelt haben und durch Raub, Einbruch und Diebstahl 04.02.2026 Minderjähriges Mädchen auf Internetplattform angeboten – Polizist verurteilt 1 Jahr 6 Monate auf Bewährung – so lautet das Urteil gegen einen zurzeit beurlaubten Polizisten aus dem Landkreis Schwandorf. Zudem soll er 5.000 Euro an den Kinderschutzbund Amberg-Sulzbach zahlen. Dem Beamten wurde von der Staatsanwaltschaft Amberg vorgeworfen, ein minderjähriges Mädchen auf einer Internetplattform für Sextreffen angeboten zu haben. Und zwar seine Tochter, die es