Dara ist eine junge Mutter aus Rumänien. Keine Arbeit, große Armut, eine gewisse Ausweglosigkeit. Sie hört, dass sie in Deutschland als Prostituierte viel Geld verdienen kann. Schweren Herzens verabschiedet sie sich von ihrer Familie. In Deutschland angekommen, hat sie es schwer: Sie versteht die Sprache nicht, hat keine Ahnung vom Steuersystem. Sie wird in einem Bordell angestellt. Viele Kunden weist sie ab. Weil sie Sex ohne Kondom wollen. Oder Praktiken, die für sie eine Tabu-Grenze überschreiten. Oder einfach zu wenig bezahlen wollen. Für 50 Euro verkauft sie ihren Körper. Nach drei Kunden sind gerade erst ihre täglichen Ausgaben für ihr Arbeitszimmer gedeckt. Nur selten kann sie etwas Geld in die Heimat schicken. Jeden Tag denkt sie an ihre Familie. Jeden Tag fällt die Arbeit schwerer.
Geschichten wie die von Dara kennen die Sozialarbeiter des Vereins Parakaleo zuhauf. Es ist zwar eine erfundene Geschichte, aber eine, die der Realität vieler Sexarbeiterinnen nahe kommt. Wobei – und darauf will der Verein am Fachtag im ACC über die Realität der Sexarbeit auch aufmerksam machen: Die Gruppe von Prostituierten ist extrem vielfältig – vom einen Extrem „betroffen von Menschenhandel“ bis zum anderen Extrem „komplett selbstbestimmtes Arbeiten und exzellenter Verdienst“ sind alle Grautöne vorhanden.
Parakaleo hat sich vor zehn Jahren in Nürnberg gegründet, um Prostituierten zu helfen – bei der Bürokratie, bei Gesundheitsthemen, beim Umstieg in einen anderen Beruf. Seit November 2023 kommt der Verein alle sechs bis acht Wochen auch nach Amberg. Allein seit 2025 haben die Sozialarbeiter 81 lange Gespräche mit 123 Personen geführt.
Zahl der Prostituierten nicht genau bekannt
Stand Ende 2024 sind in Amberg nämlich 79 Prostituierte gemeldet. Aber das dürfte nur ein Bruchteil davon, die Dunkelziffer sehr hoch sein. Nicht alle sind gemeldet. Und viele wechseln ihren Arbeitsort nach mehreren Wochen wieder – es gibt also eine hohe Fluktuation.
Mit seiner Arbeit will der Verein auch Netzwerkarbeit betreiben. Noch immer werden Prostituierte massiv stigmatisiert, finden keine Wohnung, haben keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung. Ein Großteil der Sexarbeiter kommen aus südosteuropäischen Ländern wie Rumänien, Bulgarien oder Ungarn. Viele leiden unter hohem physischen und psychischen Druck. Und haben auch hohe Ausgaben. Rund 150 Euro müssen Prostituierte pro Tag Zimmermiete zahlen.
Der Fachtag im ACC sollte das Thema, die Probleme und Herausforderungen in die Öffentlichkeit bringen – unterstützt von der Gleichstellungsstelle der Stadt Amberg. Die Branche wandelt sich auch – nicht zuletzt durch das Internet. Vieles hat sich ins Digitale und ins Private verlagert – und entzieht sich damit auch Kontrollen und Regeln.
Wie die Geschichte von Dara ausgeht? Auch da variieren die Geschichten der Prostituierten in der Realität massiv. Vor allem aber will Dara unerkannt bleiben – diskriminiert werden nämlich alle Daras…
(mz)