Mit den Diskussionen um die Entwicklung des Amberger Bürgerspitalareals könnte man wohl Bände füllen – und momentan kommt wieder ein weiteres Kapitel hinzu. Die aktuellen Pläne für ein großes Wohngebäude mit bezahlbaren Wohnungen, einem Cafe, einer Arztpraxis und einer Tiefgarage bekommen grundsätzlich viel Zustimmung – aber ein Knackpunkt ist die Tiefgarageneinfahrt. Denn sie ist direkt vor dem Eingang des Ringtheaters geplant, einem beliebten Ort für kulturelle Veranstaltungen.
„Wir haben alle denkbaren Varianten untersucht“
56 bezahlbare Wohnungen sollen in einem großen Gebäude auf dem Bürgerspitalareal entstehen – und 77 Tiefgaragenstellplätze für die Anwohner. Die Position der Tiefgarageneinfahrt stößt bei den Anliegern nicht auf Begeisterung – und wie die Planer in der gestrigen Bauausschusssitzung erklärt haben, hätten auch sie sich einen anderen Ort gewünscht.
„Wir wollten die Autos unbedingt vom Ringtheater und aus dem Spitalgraben fernhalten.“, erklärte Stefan Vogl, Geschäftsführer von EVH Architekten, in der Ausschusssitzung. „Wir haben wirklich alle denkbaren Varianten untersucht. In allen Belangen: Brandschutz, Rettungswege, Verkehr, Kosten und noch mehr.“ Letztendlich hätten die Untersuchungen aber ergeben, dass keine der anderen Rampen-Varianten umsetzbar sei.
Das bedeutet also: die Tiefgarageneinfahrt müsse doch im Spitalgraben gebaut werden. Nachdem sich dagegen Kritik von Anliegern und sechs Amberger Kulturvereinen geregt hatte, haben die Architekten die Tiefgarageneinfahrt nochmal überarbeitet und sie drei Meter nach hinten, quasi ins Gebäudeinnere verlegt, und die Wand zum Ringtheater geöffnet. „Dadurch ist jetzt für ausfahrende Autos die Sicht frei und Fußgänger und Radfahrer sind nicht mehr gefährdet“, erklärt Vogl.
„Ich werde eine Klage prüfen müssen“
Andreas Wörz, Betreiber des Ring-Theaters, ist trotzdem nicht überzeugt. Er sieht eine Tiefgarage grundsätzlich kritisch und als nicht unbedingt notwendig an. Wörz hat Bedenken, wie sich die Tiefgarageneinfahrt auf Veranstaltungen im Ringtheater auswirken wird und sieht dadurch das Ringtheater als Kulturstätte gefährdet.
„Der Verkehr direkt vor dem Eingang wird erhöht. Nicht viel zwar, aber trotzdem“, so Wörz. Wenn der Bauantrag erteilt ist, möchte er prüfen lassen, ob er dagegen klagen kann. „Wenn die Nutzung des Ringtheaters eingeschränkt wird, dann werde ich wohl klagen müssen.“, so Wörz.
Baustart noch dieses Jahr geplant
Könnte eine Klage das ganze Großprojekt nochmal beeinflussen oder gar stoppen? Oberbürgermeister Michael Cerny sieht das relativ entspannt. Das Baureferat habe seine Arbeit gründlich gemacht – rechtlich dürfte an den Planungen also nichts auszusetzen sein. „Wenn bei einer Klage noch ein kleinerer formaler Fehler gefunden wird, dann könnte das die Bauarbeiten nochmal etwas verzögern, aber eigentlich auch nicht mehr verhindern.“, so die Einschätzung des Oberbürgermeisters.
Der Bauausschuss zumindest gab einstimmig grünes Licht für die aktuellen Planungen – wenn auch teils zähneknirschend, denn viele Stadträte hätten sich auch eine andere Position für die Tiefgarageneinfahrt gewünscht. Es sei „eine Kröte, die wir schlucken müssen“, hieß es aus den Reihen der Stadträte.
Die Verwaltung geht nun davon aus, dass sie die Baugenehmigung im zweiten Quartal erteilen wird – dann soll noch in diesem Jahr der Bau auf dem Bürgerspitalareal beginnen.
(az)