Es ist Gewalt, die meist hinter verschlossenen Türen passiert – die aber trotzdem keine Privatsache ist: Häusliche Gewalt. Rund 267.000 Fälle hat die Polizei 2024 in Deutschland verzeichnet. Diese Zahlen steigen momentan stark. 2024 gab es rund 18% mehr Opfer als 2020 – wobei die angezeigten Fälle nur die Spitze des Eisbergs sind. Denn laut einer neuen Studie gehen neun von zehn Betroffenen gar nicht zur Polizei. Besonders erschreckend: 286 Opfer verloren 2024 durch häusliche Gewalt sogar ihr Leben.
Trotzdem sprechen Menschen nicht gerne über das Thema. Es wird verdrängt, tabuisiert, totgeschwiegen. Deswegen will eine Ausstellung in Sulzbach-Rosenberg jetzt aufzeigen, welche Hilfe-Stellen für Betroffene es gibt: mit der Ausstellung „Gewalt LOS werden“ im LCC in Sulzbach-Rosenberg.
Der Gedanke sei, dass die vielen Menschen, die bei der VHS täglich ein und aus gehen, niederschwellig mit dem Thema in Berührung gebracht und dafür sensibilisiert werden, erklärt Claudia Mai, Leiterin der VHS Amberg-Sulzbach. „Und betroffene Menschen sollen ermutigt werden, Ansprechpartner zu finden.“
SkF ist rund um die Uhr für Betroffene da
Einer dieser Ansprechpartner ist der Sozialdienst katholischer Frauen SkF in Amberg. Beim Frauennotruf des SkF melden sich pro Jahr zwischen 250 und 300 Frauen. Was sie erleben, reicht von psychischer Gewalt wie Erniedrigungen oder Bedrohungen über wirtschaftliche Gewalt bis hin zu körperlicher Gewalt.
Sich Hilfe zu suchen sei trotzdem oft eine große Hürde für die Betroffenen, erklärt Julia Möbus vom SkF. „Die Betroffenen werden oft von den Tätern so bearbeitet, dass sie denken, was ihnen passiert sei normal und das muss man aushalten. Das stimmt aber nicht.“, betont Möbus. Frauen könnten sich auch anonym und per Mail an das Notruf-Team wenden und abklären, wie die Mitarbeiter ihre Situation einschätzen.
Das SkF betreibt auch das Frauenhaus in Amberg. Die gute Nachricht: Der Bund hat 2025 ein Gewalthilfegesetz verabschiedet – damit sollen bis 2032 14.000 bisher fehlende Frauenhausplätze geschaffen werden. Aber das reiche noch nicht, betont Julia Möbus: „Die Gelder fehlen an allen Ecken und Enden.“ Vor allem für Präventivarbeit seien keine Mittel vorhanden.
Wege aus der Gewalt
Die Ausstellung im LCC richtet sich nicht nur an Opfer, sondern auch an Täter. Jürgen Huhn berät in Weiden Menschen, die zu Tätern geworden sind, hauptsächlich Männer. „Seit Eröffnung der Beratungsstelle 2023 habe ich drei Frauen beraten.“, so Huhn.
Menschen würden oft aus einem Gefühl der Überforderung und des Stresses heraus aggressiv oder gewalttätig, so seine Erfahrung. Und: „Männer haben immer noch sehr wenig Zugang zu ihren eigenen Gefühlen.“ Viele könnten nicht benennen, was sie gerade eigentlich fühlen. Sie spüren dann nur die Wut oder die Aggression. „Und dann eskaliert es.“
Jürgen Huhn betont dabei: Gewaltfrei zu werden helfe nicht nur den Opfern, sondern auch den Tätern selbst. „Ein Klient hat einmal zu mir gesagt: Er fühle sich jetzt selbst viel freier.“, erinnert sich Huhn. Er betont: „Es gibt Möglichkeiten, gewaltfrei zu werden. Ganz viele Männer wollen das auch, sie wissen nur nicht, wie. Und dabei kann ich als Berater helfen.“
Auch Gewalt gegen Männer ein Problem
Eine Tatsache, die nicht übersehen werden darf: Männer sind nicht nur Täter, sondern nicht selten auch selbst Opfer. Hilfe bietet hier die Beratungsstelle häusliche Gewalt gegen Männer aus Nürnberg. Über dieses Thema berichten wir an dieser Stelle bald ausführlicher.
Die Ausstellung im LCC in Sulzbach-Rosenberg ist bis zum 4. Mai zu sehen. Hilfe für Betroffene bieten folgende Stellen:
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen
Tel. 08000 116 016
Frauennotruf und Frauenhaus des SkF Amberg (https://www.skf-amberg.de/hilfe-bei-gewalt/frauenhaus/)
Telefon 09621 22200
Kommunale Jugendarbeit des Landkreises Amberg-Sulzbach (https://www.kreis-as.de/Menschen-Soziales/Jugend-und-Familie/Kommunale-Jugendarbeit/)
Telefon: 09621/39-7750
Hilfetelefon Gewalt gegen Männer
Tel. 0800 123 99 00
Beratungsstelle Häusliche Gewalt gegen Männer (https://www.iska-nuernberg.de/bhgm/)
Angesiedelt bei der ISKA in Nürnberg
Tel. 09 11 27 29 98-20
Männerschutzwohnung Riposo der Caritas Nürnberg (https://www.caritas-nuernberg.de/einrichtungen/riposo-schutzwohnung-fuer-maenner)
Tel 0911/23 54 137
Fachstelle Täterarbeit Häusliche Gewalt:
Berater Jürgen Huhn
Tel. 01520 3282838
gewalt-frei-werden@diakonie-weiden.de
(az)