Es bröckelt an den Fasaden in Hohenburg im Landkreis Amberg-Sulzbach. Der Ort präsentiert sich nicht gerade von seiner schönsten Seite. Die Gruppe „Aktives Hohenburg“ will daran etwas ändern. Das Besondere: Die Liste besteht ausschließlich aus Frauen! Gezielt waren auch Männer eingeladen, der Gruppe beizutreten – das sieht der Gesetzgeber auch vor. Aber es fand sich keiner. Und so sind die Frauen unter sich.
Dabei ist Kommunalpolitik weitgehend Männersache: Aktuell werden von den 126 Gemeinden in unserem Sendegebiet gerade mal sieben von Frauen geführt. Weder Amberg noch Weiden hatten jemals in der Geschichte eine Oberbürgermeisterin. Bayernweit ist der Anteil der Frauen in Gemeinderäten bei gerade mal 22,2 Prozent, in Stadträten bei 33,7 Prozent.
Einer der Gründe: der sogenannte Gender Care Cap. Noch immer erledigen Frauen im Schnitt neun Stunden pro Woche mehr unbezahlte Arbeit in Form von Hausarbeit, Kinderziehung oder Pflege als Männer.
Wahlchancen für Frauen nicht schlechter
Barbara Gerl kennt die Problematik. Seit 15 Jahren ist sie politisch aktiv, seit zwölf Jahren als Gemeinde- und seit sechs Jahren als Kreisrätin. Und: Sie ist Bezirksvorsitzende der Frauenunion. Als solche fördert sie Frauen in der Politik – mit Seminaren, Vernetzungen, Austausch.
Barbara Gerl selbst strebt das Bürgermeisteramt in Freudenberg bei den kommenden Wahlen an. Bisher sei sie in der Politik immer mit Respekt behandelt worden, aber: Als sie sich am Anfang vehement für mehr Frauen auf den Listen ausgesprochen hätte, sei sie mit Gegenwind konfrontiert gewesen. Frauen, so hieß es, würden ohnehin nicht gewählt werden.
Doch sie sind gewählt worden und daher sei das dieses Mal auch kein Thema mehr. Eine Einschätzung, die Politikwissenschaftler Dr. Michael Weigl teilt: Statistisch haben Frauen keine schlechteren Chancen, gewählt zu werden. Es treten nur weniger Frauen an.
Das klingt schon mal nach guten Voraussetzungen für die Damen der Liste „Aktives Hohenburg“.
(mz)
Weitere Beiträge zum Thema
=> Wissen dahoam: Frauen in der Politik
=> Jede Partei gleichzeitig wählen – so funktioniert die Kommunalwahl
=> Sind ehrenamtliche Bürgermeister noch zeitgemäß?