Di., 17.02.2026 , 14:53 Uhr

Hohenburg / Freudenberg

Kommunalwahlserie (5) – Warum Frauen in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert sind

Bisher sind Frauen in der Kommunalpolitik deutlich unterrepräsentiert. Nur sieben von 126 Gemeinden in unserem Sendegebiet werden von Frauen geführt. Doch es gibt Initiativen, um den Frauenanteil zu erhöhen.

Es bröckelt an den Fasaden in Hohenburg im Landkreis Amberg-Sulzbach. Der Ort präsentiert sich nicht gerade von seiner schönsten Seite. Die Gruppe „Aktives Hohenburg“ will daran etwas ändern. Das Besondere: Die Liste besteht ausschließlich aus Frauen! Gezielt waren auch Männer eingeladen, der Gruppe beizutreten – das sieht der Gesetzgeber auch vor. Aber es fand sich keiner. Und so sind die Frauen unter sich.

Dabei ist Kommunalpolitik weitgehend Männersache: Aktuell werden von den 126 Gemeinden in unserem Sendegebiet gerade mal sieben von Frauen geführt. Weder Amberg noch Weiden hatten jemals in der Geschichte eine Oberbürgermeisterin. Bayernweit ist der Anteil der Frauen in Gemeinderäten bei gerade mal 22,2 Prozent, in Stadträten bei 33,7 Prozent.

Einer der Gründe: der sogenannte Gender Care Cap. Noch immer erledigen Frauen im Schnitt neun Stunden pro Woche mehr unbezahlte Arbeit in Form von Hausarbeit, Kinderziehung oder Pflege als Männer.

 

Wahlchancen für Frauen nicht schlechter

Barbara Gerl kennt die Problematik. Seit 15 Jahren ist sie politisch aktiv, seit zwölf Jahren als Gemeinde- und seit sechs Jahren als Kreisrätin. Und: Sie ist Bezirksvorsitzende der Frauenunion. Als solche fördert sie Frauen in der Politik – mit Seminaren, Vernetzungen, Austausch.

Barbara Gerl selbst strebt das Bürgermeisteramt in Freudenberg bei den kommenden Wahlen an. Bisher sei sie in der Politik immer mit Respekt behandelt worden, aber: Als sie sich am Anfang vehement für mehr Frauen auf den Listen ausgesprochen hätte, sei sie mit Gegenwind konfrontiert gewesen. Frauen, so hieß es, würden ohnehin nicht gewählt werden.

Doch sie sind gewählt worden und daher sei das dieses Mal auch kein Thema mehr. Eine Einschätzung, die Politikwissenschaftler Dr. Michael Weigl teilt: Statistisch haben Frauen keine schlechteren Chancen, gewählt zu werden. Es treten nur weniger Frauen an.

Das klingt schon mal nach guten Voraussetzungen für die Damen der Liste „Aktives Hohenburg“.

(mz)

 

Weitere Beiträge zum Thema

=> Wissen dahoam: Frauen in der Politik

=> Jede Partei gleichzeitig wählen – so funktioniert die Kommunalwahl

=> Sind ehrenamtliche Bürgermeister noch zeitgemäß?

Andrea Spitzberg Anna-Lena Fruth Barbara Gerl Dr. Michael Weigl Frauen in der Politik Freudenberg Hohenburg Kommunalwahl Kommunalwahl2026 Lena Weber Oberpfalz Oberpfalz TV OTV

Das könnte Dich auch interessieren

18.03.2026 Die Stichwahlkandidaten in Kümmersbruck und Ursensollen Schon jetzt ist klar: Das Rathaus in Kümmersbruck wird künftig von einer jungen Frau geleitet. Bei der Kommunalwahl hat Elisabeth Gruber von der CSU 47,0 Prozent geholt. Sie ruft die Menschen auf, zur Wahl zu gehen – und ihr die Stimme zu geben. „Weil ich aktuell im richtigen Alter bin“, erklärt Gruber. Sie wird am 17.03.2026 SPD gegen CSU – Die Stichwahlkandidaten in Hirschau Seit 1958 hat es in Hirschau nur CSU-Bürgermeister gegeben. Das könnte sich bei der Stichwahl an diesem Sonntag vielleicht ändern. Und: gleichzeitig könnte auch die erste Bürgermeisterin der Stadtgeschichte ins Rathaus einziehen. Denn vor gut einer Woche holte Beate Dietrich von der SPD die meisten Stimmen. Sie und ihren Gegenkandidaten von der CSU stellen wir 09.03.2026 Ein zu Tränen gerührter Stefan Ott und Überraschungen im Landkreis Das war der emotionalste Moment des gestrigen Wahlabends. Stefan Ott, Oberbürgermeisterkandidat der CSU, kämpft mit den Tränen. Es zeigt, wie viel Druck im Wahlkampf steckt. Mit 40,8 Prozent ist Ott auch längst nicht durch – er muss in die Stichwahl. Das hat es in Amberg zuletzt 1952 gegeben – also vor 74 Jahren! Das Ergebnis 04.03.2026 Demokratieentwicklung – ein Vortrag vor den Kommunalwahlen Nur rund 59% aller Wahlbeteiligten haben in Bayern bei der vergangenen Kommunalwahl ihre Stimme abgegeben. Zahlen wie diese hat OTV-Redakteur Michael Zeitler bei einem Vortrag zum Thema Demokratieentwicklung in der Kiste in Sulzbach-Rosenberg aufgezeigt. Wie hat sich die Demokratie über die Jahrtausende entwickelt – und vor welchen Herausforderungen steht sie heute? Darauf ging Zeitler ein