Mo., 01.06.2026 , 16:21 Uhr

Grafenwöhr

Abrüsten statt Aufrüsten: Friedensaktivisten demonstrieren in Grafenwöhr

Ein Nationalpark statt Truppenübungsplatz, Abrüstung statt Aufrüstung, Gewaltfreie Konfliktlösung statt Krieg. Bei einer Kundgebung in Grafenwöhr haben Friedensaktivisten weitreichende Forderungen gestellt.

Erst vor vier Wochen sorgte die Nachricht für Schlagzeilen: US-Präsident Donald Trump erwägt, 5.000 Soldaten aus Vilseck abzuziehen. Während diese Aussicht in der Region vielerorts Sorgen auslöst, würde Willi Rester von der Deutschen Friedensgesellschaft einen solchen Schritt begrüßen. Bei der Kundgebung „Keine Mittelstreckenraketen in Grafenwöhr und anderswo!“ forderte er sogar den vollständigen Abzug aller US-Streitkräfte aus Grafenwöhr, Vilseck und Hohenfels. Rester sprach sich dafür aus, den Truppenübungsplatz langfristig in einen Nationalpark umzuwandeln. Als Vorbilder nannte er ehemalige militärisch genutzte Gebiete, die inzwischen als Nationalparks wirtschaftlich erfolgreich seien. Lediglich auf dem Wohnungsmarkt erwartet er Schwierigkeiten. Diese könnten seiner Ansicht nach jedoch durch Konversionshilfen des Freistaats abgefedert werden.

Sorge vor Mittelstreckenraketen

Im Mittelpunkt der Kundgebung stand die mögliche Stationierung von US-Mittelstreckenraketen. Zwar hat US-Präsident Donald Trump entsprechende Pläne für Deutschland gestoppt, die Teilnehmer befürchten jedoch, dass diese Entscheidung künftig wieder rückgängig gemacht werden könnte. Da die in Grafenwöhr stationierte 41. Feldartillerie-Brigade als einzige Einheit in Europa solche Systeme bedienen kann, sehen die Kritiker den Standort als potenzielles Angriffsziel.

Die Redner warfen der Bundesregierung vor, weiterhin an der Stationierung solcher Waffensysteme festhalten zu wollen. Diese Politik schaffe ihrer Ansicht nach Unsicherheit, binde finanzielle Mittel und stärke politische Kräfte an den Rändern.

Soziale Verteidigung statt Aufrüstung

Die Teilnehmer sprachen sich grundsätzlich für Abrüstung aus. Deutschland solle nach ihrer Auffassung auf das Konzept der sogenannten Sozialen Verteidigung setzen. Dabei gehe es darum, Widerstand gegen Angreifer durch zivile Maßnahmen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und gewaltfreie Aktionen zu leisten. Als Beispiele wurden historische und internationale Erfahrungen genannt, in denen solche Strategien erfolgreich angewandt worden seien.

Zur Einordnung: Friedensforscher sehen die Soziale Verteidigung als mögliche Ergänzung zur Sicherheitsvorsorge. Ob sie militärischen Schutz vollständig ersetzen kann, wird unter Experten jedoch kontrovers diskutiert.

Positive Bilanz der Veranstalter

Die Veranstalter zogen insgesamt ein positives Fazit der Kundgebung. Für einen kurzen Zwischenfall sorgte lediglich eine Gruppe mit Deutschlandflaggen. Da diese bei der Veranstaltung nicht zugelassen waren, wurden die Teilnehmer vom Platz verwiesen.

(kw)

41. Feldartillerie-Brigade Abrüstung Deutsche Friedensgesellschaft Donald Trump Grafenwöhr Hohenfels Konversionshilfen Kundgebung Marian Janka Mittelstreckenraketen Nationalpark Oberpfalz TV OberpfalzTV OTV Sicherheitspolitik soziale Verteidigung Truppenabzug Truppenübungsplatz US-Streitkräfte Vilseck Willi Rester

Das könnte Dich auch interessieren

30.03.2026 00:28 Min Friedensradler protestiert gegen mögliche Aufrüstung in Grafenwöhr Mit einer Fahrradtour von Hütten nach Grafenwöhr hat die Deutsche Friedensgesellschaft–Vereinte Kriegsgegnerinnen Oberpfalz gegen eine mögliche Stationierung neuer Raketensysteme auf dem Truppenübungsplatz protestiert. Die Teilnehmenden warnen, der Standort könne dadurch zu einem „hochrangigen Ziel“ militärischer Angriffe werden. Zudem sei die Region „zu schön und einmalig“, um dort Kriegsvorbereitungen zu treffen, so die Mitglieder weiter. (ls/Kamera: 11.12.2025 03:41 Min Militärdrohnen-Piloten kämpfen um den Titel: Best Drone Warfighter Competition Mittlerweile gehören Drohnen in nahezu jeder NATO-Einheit zur Standardausrüstung. Besonders Aufklärungsdrohnen entwickeln sich rasant zu einem der wichtigsten Werkzeuge moderner Gefechtsführung: leicht, günstig, flexibel einsetzbar – und je nach Modell mit leistungsstarken Zoom-, Wärmebild- oder Nachtsichtkameras ausgerüstet. Noch kleiner und schneller sind die sogenannten FPV-Drohnen, die meist nur eine kurze Akkulaufzeit haben, dafür aber in 26.08.2025 03:05 Min Best Squad Competition: US-Armee sucht bestes Team aus Europa und Afrika in Grafenwöhr Rund eine Woche lang trainieren und sich dabei in einem Wettbewerb messen. Das machen gerade 50 Soldaten der US-Armee auf dem Truppenübungsplatz in Grafenwöhr im Rahmen der Best Squad Competition. Zehn Trupps, im englischen auch Squads genannt, aus fünf Soldaten sind aus ganz Europa und Afrika nach Grafenwöhr gekommen, um das beste Team zu ermitteln. 30.07.2025 03:09 Min 35-Millionen-Dollar-Projekt: Hightech-Schulungsgebäude am Truppenübungsplatz Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr haben die Bauarbeiten für ein neues Gebäude des Joint Multinational Simulation Center begonnen. Die US-Armee investiert rund 35 Millionen US-Dollar – etwa 33 Millionen Euro – in ein Schulungsgebäude für strategische Kommandoführung. In vier Gebäudeflügeln sollen künftig komplexe Einsatzszenarien unter verschiedenen Sicherheitsstufen trainiert werden. Die Verantwortlichen verfolgen vor allem das Ziel,