Di., 24.06.2025 , 13:49 Uhr

Hirschbach

Achtel bei Hirschbach kämpft gegen das Wirtshaussterben

Das Wirtshaussterben ist nicht nur ein Problem für die Wirtsleute selbst. Viele kleine Orte leiden darunter, wenn das letzte Wirtshaus schließt. Lindenwirtin Nina Brehm und ihr Mann Jan wirken dem entgegen, im kleinen Ort Achtel bei Hirschbach.

In Zeiten, in denen vielerorts das Licht in den Dorfwirtshäusern für immer ausgeht, haben Nina und Jan Brehm andere Pläne: Im kleinen Ort Achtel in der Gemeinde Hirschbach haben sie das alteingesessene Wirtshaus neu belebt – nicht als Erben eines Traditionsbetriebs, sondern als Quereinsteiger mit großen Visionen.

Ein Ort mit Geschichte – und großem Sanierungsbedarf

Noch ist der neue Treffpunkt nur als Biergarten geöffnet. Die gemütliche Stube der „Lindenwirtin“ bleibt vorerst leer. Seit 2001 wurde in dem Gebäude kein Essen mehr serviert. Bevor also der reguläre Betrieb starten kann, stehen umfassende Sanierungsarbeiten an, vor allem was die Toiletten, die Küche und den Brandschutz angeht. Rund 400.000 Euro veranschlagen die Brehms für die Instandsetzung der Räume.

Ein Teil der Summe kommt als Förderung vom Amt für Ländliche Entwicklung. Den Rest will das Paar über ein kreatives Finanzierungsmodell stemmen: Genussrechte. Dieses Konzept ermöglicht es Privatpersonen, kleinere Beträge zu investieren und so direkt zur Wiederbelebung des Wirtshauses beizutragen. Ihr Geld bekommen sie dann langfristig in Form von Zinsen oder direkten Genussgutscheinen zurück.

Warum sich immer weniger an den Zapfhahn stellen

Nina und Jan Brehm können gut nachvollziehen, warum sich viele junge Menschen gegen eine Zukunft in der Gastronomie entscheiden. Inflation, komplizierte Auflagen, Personalmangel und ein verändertes Ausgehverhalten erschweren die Führung eines Wirtshauses erheblich. Forderungen gäbe es zwar viele – besseren Arbeitsbedingungen, geringere Mehrwertsteuern oder weniger Auflagen. Doch ohne das Engagement von Gastgebern und Gästen würden diese Maßnahmen allein wohl nicht ausreichen.

Gerade im ländlichen Raum haben Wirtshäuser eine zentrale Bedeutung. Eine kleine Gruppe junger Gäste kommt deshalb fast jedes Wochenende zur Lindenwirtin, um zum Wiederaufbau des Wirtshauses beizutragen. Veranstaltungen, Wohnwagen-Stellplätze und mehr haben die Inhaber organisiert, um zusätzlich Menschen in den Biergarten zu locken. Sie sind sich sicher – auch in Zeiten des Wirtshaussterbens hat ihr Lebenstraum eine große Zukunft.

(sb)

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