Mit einem alten Willys-Jeep, Baujahr 1952, fährt Edgar Wenisch über Feld- und Waldwege rund um Konnersreuth. Wenisch ist Baumsachverständiger im Ruhestand. Mehr als 100.000 Bäume hat er im Laufe seiner Karriere kontrolliert. In dieser Zeit ist ihm aufgefallen: Viele der Bäume erzählen Geschichten, die kaum jemand kennt. Jetzt hat Wenisch es sich zur Aufgabe gemacht, diese Geschichten festzuhalten.
Von Fichten und Douglasien
Zwei dieser besonderen Bäume sind Douglasien nahe Pechbrunn. Wenisch hat sie „Wilhelm“ und „Karl“ genannt. Ihre Geschichte erzählt ein kleines Marterl am Waldrand: Die Bäume erinnern an den Tännesberger Forstgehilfen Christoph Pürner, der laut Inschrift im Jahr 1884 von einem Wilderer „meuchlings erschossen“ wurde. Doch nicht nur die tragische Geschichte macht die Douglasien bemerkenswert. Die Baumart stammt ursprünglich aus Nordamerika und kam erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf das europäische Festland. Damit sind Wilhelm und Karl mit Sicherheit die ältesten Douglasien Bayerns, so Wenisch, und womöglich einige der ältesten Europas.
Auch eine Bergfichte aus der Zeit des Ersten Weltkriegs hat es Wenisch angetan. Sie wurde von einem slawischen Kriegsflüchtling angepflanzt, der eine Erinnerung an seine Heimat schaffen wollte. Heute, mehr als 100 Jahre später, steht sie gesund und munter in Mitten von Holzwurm-befallenen Bäumen. Der Bergfichte ist kein Makel anzusehen.
Hilfe bei der Suche
Wenisch bittet nun um Hilfe, um weitere Bäume wie die Bergfichte und die beiden Douglasien zu dokumentieren. Bisher hat er viele aus der Gegend rund um Konnersreuth in seine Sammlung aufgenommen, doch für ihn sind Bäume aus der ganzen Welt interessant, solange die Geschichte stimmt. Die Geschichten möchte Edgar Wenisch dann in einem Buch festhalten. Wer also einen Baum kennt, dessen Geschichte es wert ist, bewahrt zu werden, kann sich bei Edgar Wenisch melden – am besten über sein Sachverständigenbüro in Konnersreuth.
(sb)