Die närrische Jahreszeit ist in vollem Gange: Überall laden Prunksitzungen, Faschingsbälle und Kinderfaschingspartys zum ausgelassenen Feiern ein. Für Menschen, die mit einer Behinderung leben oder für Eltern von behinderten Kindern ist es manchmal gar nicht so einfach, da mitzufeiern. Entweder weil Veranstaltungen nicht barrierefrei sind oder weil nicht auf die Bedürfnisse von behinderten Menschen eingegangen wird. Der Inklusionsfasching der Schwandoria Schwarz-Gelb in Schwandorf sollte eine Fete sein, bei der alle mitfeiern können.
Barrierefreie Feier ohne Reizüberflutung
Eine, die mitgefeiert hat: Die kleine Leonie, gemeinsam mit ihrer Mama und ihrem Bruder. Das Mädchen hat eine unsichtbare Behinderung: das sogenannte SATB2-Syndrom. Für Leonie bedeutet das: Sie spricht nicht, sondern kommuniziert nur nonverbal. Beim Inklusionsfasching ist sie aber einfach nur eine 5-Jährige, die mitfeiert.
„Es gefällt ihr super“, erzählt uns Mama Sophie Butz. „Manchmal schaut sie auch nur zu und nimmt eher eine Beobachtungsrolle ein. Aber nicht, weil es ihr nicht gefällt. Sie hat vorhin auch schon bei der Polonaise mitgemacht.“ Es sei gut, dass beim Inklusionsfasching die Musik nicht zu laut sei und der Raum nicht übervoll geschmückt ist. „Es ist super gemacht!“, so Sophie Butz.
„Bedeutet für uns Freiheit und Teilhabe“
Butz ist eine von 22 Menschen, die extra aus Amberg gekommen sind, um beim Inklusionsfasching in Schwandorf mitzufeiern. Den Ausflug organisiert hat Katharina Reuter von der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach. Sie leitet eine inklusive Kinderkrippe und weiß, wie wichtig solche Angebote für betroffene Familien sind: „Im Amberger Raum kenne ich keine solche Veranstaltung. Für uns bedeutet so etwas Freiheit, Teilhabe. Und einfach das erleben zu können, was normal ist im Leben.“
Menschen mit und ohne Behinderung haben einen ganzen Nachmittag lang gemeinsam bei ausgelassener Stimmung gefeiert. Neun Tanzgruppen haben für Unterhaltung gesorgt, auch mehrere Inklusionsgruppen. Darunter Gastgruppen aus Regensburg und Nürnberg, aber auch die Diamonds Dancers, die Schwandorfer Inklusionstanzgruppe. Und natürlich durften auch die Prinzenpaare nicht fehlen. Das Inklusionsprinzenpaar Anja I und Jonas I führten einen Walzer auf – für beide ein aufregender Moment.
Größter Inklusionsfasching bisher
Der Faschingsverein Schwandoria existiert erst seit knapp drei Jahren. Zweimal hat der Verein bereits den Inklusionsfasching ausgerichtet – bisher aber immer im kleineren Konrad-Max-Kunz-Saal. Heuer nun im großen Saal der Oberpfalzhalle. „Letztes Jahr habe ich mir gedacht: Mensch, wäre das nicht auch für Schwandorf etwas – ein Inklusionsfasching im größeren Rahmen?“, erklärt Daniela Wopperer, Präsidentin der Schwandoria, gegenüber OTV. „Denn Inklusion geht uns alle an. Wir brauchen das, ein bisschen Miteinander. Wir können von den Menschen mit Behinderung so viel lernen.“
Rund 200 Menschen sind an diesem Tag in die Oberpfalzhalle gekommen. Wopperer hofft, dass in den kommenden Jahren noch mehr Menschen – auch ohne Behinderung – zum Inklusionsfasching kommen und einfach mitfeiern.
(az)