Fr., 21.03.2025 , 14:31 Uhr

Flossenbürg

Ausstellungseröffnung „Die Verleugneten Opfer des Nationalsozialismus“

„Die Verleugneten Opfer des Nationalsozialismus“ - diese Ausstellung ist nun in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg zu sehen. Sie will auf die Menschen aufmerksam machen, die jahrzehntelang nicht als Opfer des NS-Regimes anerkannt wurden.

Max Handl aus dem Landkreis Regensburg starb im KZ Mauthausen, weil die Nazis ihn als „arbeitsscheu“ bezeichneten. Als Lebemann ist er von Wirtshaus zu Wirtshaus gezogen, hat seinen Hut für Spenden herumgehen lassen. Um seine Frau und acht Kinder zu ernähren, aber auch um sich das eine oder andere Bier leisten zu können. Das passte nicht ins Weltbild der Nazis, deswegen musste er ins KZ, deswegen musste er sterben.

Und es ging weiter: Menschen, die die Nazis als „Asoziale“ oder „Berufsverbrecher“ eingestuft hatten, mussten jahrzehntelang darauf warten, dass die Politik und Gesellschaft sie überhaupt als Opfer des NS-Regimes anerkannte. „Die Verleugneten Opfer des Nationalsozialismus“ nennt sich eine Wanderausstellung, die ab sofort in der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg an jene Opfer erinnert.

Brandmarkung als „Asoziale“ oder „Berufsverbrecher“

Als „Asoziale“ oder „Berufsverbrecher“ brandmarkten die Nazis verschiedene Gesellschaftsgruppen. „Oft hat es Menschen getroffen, die aus ärmlichen Verhältnissen kamen“, erklärt Laura Lopez Mras aus dem Kuratoren-Team der Ausstellung. „Obdachlose, Prostituierte, aber auch Sinti und Roma wurden oft unter diesen Begriffen in die Konzentrationslager gebracht.“

Als Berufsverbrecher bezeichneten die Nazis Menschen mit Vorstrafen – auch wenn sie diese bereits verbüßt hatten. Nach der NS-Ideologie hatten solche Menschen kriminelle oder asoziale Gene. Willkürlich, ohne Prozess sperrten sie die Nazis in Konzentrationslager, kennzeichneten sie mit schwarzen oder grünen Stoffwinkeln.

Jahrzehntelanges Schweigen

Die Nachkriegsgesellschaft begegnete diesen Menschen nicht etwa mit Empathie – sondern mit Skepsis. Die, die überlebt hatten, sprachen nicht über ihre Erfahrungen – so wurde das Unrecht totgeschwiegen. Erst in den 70-er und 80-er Jahren begannen Überlebende oder ihre Nachfahren von dem Unrecht zu sprechen. Und erst 2020 erkannte sie der Bundestag offiziell als Opfer des NS-Regimes an – 75 Jahre nach Kriegsende.

Umso wichtiger nun diese Ausstellung, die auf die verleugneten Opfer aufmerksam machen will. Denn Ausgrenzung, Diffamierung und Diskriminierung einzelner gesellschaftlicher Gruppen nehmen wieder zu. „Die Ausstellung kommt zu spät, das kann man sicher kritisieren“, so Prof. Dr. Jörg Skribeleit, Leiter KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. „Aber es ist jetzt auch die Ausstellung und die Debatte zur richtigen Zeit.“

(az / mz)

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