„In diesen Räumlichkeiten war ich bestimmt 35 Jahre nicht mehr.“ Mit diesen Worten eröffnete Generalleutnant Dr. Christian Freuding als Inspekteur des deutschen Heeres seinen Vortrag bei der Gesellschaft für Sicherheitspolitik. Im Offizierskasino seiner Heimatstadt Weiden sprach er über den aktuellen Zustand des deutschen Heeres. Zu Beginn seines Vortrags widmete er einen persönlichen Moment seiner Mutter, Dr. Renate Freuding-Spintler, die als Ehrengast anwesend war. Generalleutnant Freuding sprach von einem „1956-Moment“. Seit der Gründung der Bundeswehr habe Deutschland keine vergleichbare sicherheitspolitische Lage erlebt. Als Grund nannte er die Bedrohung durch Russland. Die Bundeswehr müsse deshalb schnellstmöglich gestärkt werden.
Bundeswehr soll bis 2029 weiter gestärkt werden
Der Inspekteur des Deutschen Heeres betonte, dass die Bundeswehr bereits heute einsatzbereit sei. Innerhalb der NATO gehe man davon aus, dass ein potenzieller Gegner ab etwa 2029 Bündnisgebiet bedrohen könnte. Bis dahin werde die Bundeswehr ihre Fähigkeiten kontinuierlich ausbauen und diesen Prozess auch darüber hinaus fortsetzen.
Für den Fall einer kurzfristigen Eskalation gelte das Prinzip „Fight Tonight“: Die vorhandenen Streitkräfte müssten jederzeit unmittelbar handlungsfähig sein. Generalleutnant Freuding zeigte sich insgesamt zufrieden mit den bisherigen Fortschritten. In den vergangenen Monaten seien neue, auch unbemannte, Systeme beschafft worden. Zudem verlaufe die Verlegung des Panzergrenadierbataillons 122 von Oberviechtach nach Litauen planmäßig. Auch die Ausbildungskapazitäten seien ausgebaut worden.
Grundprinzip Freiwilligkeit
Am Prinzip der Freiwilligkeit hält der Redner grundsätzlich fest. Nach seinen Beobachtungen sei das Interesse vieler junger Menschen an der Bundeswehr groß. Sie wollten verstehen, welchen Auftrag die Streitkräfte haben und weshalb derzeit verstärkt in die Verteidigungsfähigkeit investiert werde.
Das Heer rechne in den kommenden Jahren mit einem deutlichen Personalzuwachs. Deshalb seien unter anderem in Weiden und anderen Standorten Container-Dörfer zur Unterbringung geplant. Gleichzeitig machte der Generalleutnant deutlich, dass bei unzureichender Freiwilligkeit auch andere Modelle diskutiert werden müssten.
Reserve stärken und Vertrauen in die USA
Kritisch äußerte sich Generalleutnant Dr. Christian Freuding zur aktuellen Aufstellung der Reserve. Diese sei bislang nicht schnell genug einsatzfähig. Daher sprach er sich für eine rasche Umsetzung des geplanten Reservestärkungsgesetzes aus.
In der anschließenden Fragerunde wurde auch die Rolle der USA thematisiert. Der Inspekteur des Deutschen Heeres zeigte sich überzeugt, dass Deutschland weiterhin auf die Vereinigten Staaten als wichtigsten Bündnispartner innerhalb der NATO zählen könne. Der Austausch sei eng und von großem gegenseitigem Vertrauen geprägt.
Freiheit hat ihren Preis
Zum Abschluss griff er nochmals den von ihm beschriebenen „1956-Moment“ auf. Zwar seien die Rahmenbedingungen heute – etwa durch die wirtschaftlichen Bedingungen Deutschlands – günstiger als vor 70 Jahren. Dennoch seien erhebliche Anstrengungen erforderlich, um die Verteidigungsfähigkeit des Landes sicherzustellen. Dies sei letztlich der Preis, den eine freie Gesellschaft für ihre Sicherheit zahlen müsse.
(kw)