Um 16 Uhr 49 geht am Freitagnachmittag ein Alarm bei der Feuerwehr ein, der sich zu einem spektakulären Großeinsatz entwickeln würde: Rauchschwaden über dem Johannisberg in Freudenberg sind zu sehen. Mit Einbruch der Dunkelheit zeigt sich die Dramatik. Wie auf diesen Bildern zu sehen ist, die uns der örtliche Einsatzleiter Christof Strobl zeigt, stehen 5,7 Hektar des Johannisberg in Flammen. Er leuchtet rot. Das Feuer reicht zum Teil bis an die Baumwipfel.
Mehr als 350 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Bergwacht und BRK sind zu diesem Zeitpunkt im Einsatz. Es geht vor allem darum, die Bergkirche zu schützen. Ein auftziehendes Gewitter zwingt die Einsatzleitung aber dazu, den Einsatz abzubrechen. Nicht immer hilft Gewitter: Der Wind vergrößert Brandflächen, der Regen führt zu mehr Dampfentwicklung.
Das Feuer ist auch nach dem Gewitter nicht unter Kontrolle. Schon da ist klar: Die Löscharbeiten werden noch Tage dauern. Die Topgrafie ist mit der Hanglage auf dem 652 Meter hohen Berg schwierig. Dazu kommt viel Totholz in dem brennenden Bereich.
Lösch-Hubschrauber immer eine Gradwanderung
Erst am Samstag bringt die Feuerwehr den Brand soweit unter Kontrolle, dass er sich nicht mehr weiter ausbreitet. Auch mit der Hilfe der Landwirte ist eine Wasserversorgung am Berg gewährleistet. Becken mit 10.000 und 5000 Litern Wasser stehen zur Verfügung. Das Wasser wird mit Schläuchen in den Wald transportiert.
Von oben unterstützt ein Helikopter. Zwar bietet das Bayerische Innenministerium weitere Lösch-Hubschrauer an, aber Christof Strobl erklärt uns, dass einer ausreicht. Auch wenn der Hubschrauber 500 Liter auf einmal abwerfen könne, drücke er das Feuer nur zu Boden. Gelöscht werden müsse es von unten. Und das werde durch zu viel Helikoptereinsätze eher erschwert, weil Feuerwehrler nämlich den Bereich des Abwurfs immer verlassen müssen.
Das Löschen am Boden ist gerade bei der Hitze Knochenarbeit. Die Feuerwehrkräfte müssen Meter für Meter mit einfachem Gerät beackern. Sieben Einsatzkräfte werden verletzt – meistens handelt es sich dabei um Dehydrierung und Kreislaufprobleme. Immer wieder werden daher aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach Feuerwehrler nachalarmiert, um die Einsatzkräfte vor Ort abzulösen.
Waldbrände nehmen zu
Der Brand ist zwar gelöscht, aber: Auch in den kommenden Tagen sind noch Nachlöscharbeiten nötig. Immer wieder flackern Glutnester wie hier auf. Vom Brand geschwächte Bäume stürzen um. Das Betreten des Waldes am Johannisberg ist daher gefährlich. Im Ort selbst riecht es nach Rauch. Die Bewohner: besorgt.
Es ist der größte und vor allem aufwändigste Waldbrand im Landkreis Amberg-Sulzbach, an den sich Christof Strobl erinnern kann, sagt er uns. Die Zahl solcher Brände nimmt mit dem Klimawandel und der zunehmenden Hitze und Trockenheit zu, bestätigt er. Erst am Tag vor dem großen Brand in Freudenberg rückte die Feuerwehr im Landkreis zu sieben Vegetationsbränden aus.
Die guten Nachrichten: Bewohnte Häuser waren zu keinem Zeitpunkt bedroht. Und: Der Zusammenhalt unter den Einsatzkräften funktioniert reibungslos – und das alles ehrenamtlich!
(mz)
Weitere Beiträge zu dem Thema: