Es klingt zunächst brutal, ist aber gelebte Tradition: In Tschechien gehört es zu Ostern dazu, „ausgepeitscht“ zu werden. Was im ersten Moment befremdlich wirkt, hat laut Petra Zeitler jedoch eine ganz andere, positive Bedeutung. Jungs und Männer ziehen zu verschiedenen Mädchen und Frauen und berühren diese leicht mit den Peitschen. Das soll unter anderem Fruchtbarkeit und Verjüngung symbolisieren.
Osterbräuche im Freilandmuseum Oberpfalz
Im Freilandmuseum Oberpfalz stand am Palmsonntag alles im Zeichen tschechischer Ostertraditionen. Das sogenannte „Osterpeitschen“ ist ein fester Bestandteil des tschechischen Osterfestes. Haben die Jungs und Männer ihre Runde gemacht, bekommen sie im Gegenzug zum Beispiel Ostereier geschenkt.
Kunstvolle Eier und gelebtes Handwerk
Ein wichtiger Teil der Tradition ist das kunstvolle Bemalen von Eiern. Alena Mrázková gestaltet diese seit rund 25 Jahren täglich und hat sich das filigrane Handwerk selbst beigebracht. Für sie ist es längst Routine geworden, die fast automatisch abläuft.
Dabei reicht die Tradition von klassischen Hühnereiern bis hin zu Enten- oder Holzvarianten.
Süße Ostertradition: Gebäck als Geschenk
Auch Ostergebäck spielt eine Rolle. Wenn die Männer beim Osterpeitschen Glück haben, bekommen sie traditionelle Backwaren, die auf einem teigähnlichen Lebkuchen basieren und mit Eiweiß-Zucker-Masse verziert werden.
Jana Sobotnikova beschreibt typische Formen wie Osterlämmer oder sogenannte Oster-Pumpernickel. Gemeinsam mit ihrer Schwester hat sie das Verzieren selbst gelernt und gibt das Wissen heute unter anderem in der Arbeit mit Kindern weiter – dort stößt es auf großes Interesse.
Andere Bedeutung von Ostern in Tschechien
Das Osterpeitschen und die dazugehörigen Gaben gehen auf slawische Ursprünge zurück. Insgesamt hat Ostern in Tschechien einen anderen Stellenwert als in Deutschland und wird dort anders gelebt.
Deshalb spielt vor allem die Karwoche eine geringere Rolle, was unter anderem mit dem verbreiteten Atheismus zusammenhängt.
(kw)