Fr., 20.06.2025 , 16:03 Uhr

Weiden

Geplantes Atomkraftwerk in Tschechien – Aktivisten rufen zum Widerstand aus der Oberpfalz auf

Tschechien plant in Tušimice nahe der deutschen Grenze ein neues Atomkraftwerk. Die Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen Weiden Neustadt ruft nun die Oberpfälzer dazu auf, Widerstand zu signalisieren.

In Deutschland ist der Atomausstieg zwar beschlossene und erledigte Sache – weltweit sieht das aber anders aus. Der Weltklimarat geht davon aus, dass sich die Stromerzeugung durch Atomkraft bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppeln wird. Dazu trägt auch unser Nachbar Tschechien bei: Das Land will sein Atomkraft-Programm massiv ausbauen. An drei tschechischen Standorten sind neue Kraftwerke geplant, eines davon relativ nah an der Oberpfalz. Die Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen Weiden Neustadt ruft nun zum Widerstand auf.

Auswirkungen auf Mensch und Umwelt befürchtet

Rund 116 Kilometer Luftlinie entfernt von Weiden soll es entstehen: Ein geplantes Atomkraftwerk in Tschechien. In Tušimice, wo aktuell noch ein Braunkohlekraftwerk steht, soll stattdessen in Zukunft durch Atomkraft Strom erzeugt werden. Atomkraft? Nein Danke! Das ist die Reaktion der Bürgerinitiative gegen atomare Anlagen Weiden Neustadt. Die Mitglieder befürchten durch die Nähe die Auswirkungen auf unsere Region: „Die Gefahr der atomaren Verstrahlung, sowohl im normalen Betrieb als auch bei Unfällen“, erklärt Aktivistin Caro Schiml gegenüber OTV.

Der Wind aus Osten würde zum Beispiel die radioaktive Strahlung zu uns tragen. Und auch durch den Fluss Eger, der zur Kühlung des Atomkraftwerkes gebraucht würde, würden wir Deutschland Auswirkungen spüren, so die BI. „Das Wasser wird dann erhitzt in den Fluss wiedereingeführt. Und die Eger fließt dann in unsere Elbe und verändert auch hier das Ökosystem im Fluss“, erklärt Karin Fichtner von der BI. Schon jetzt existiert an vielen Flüssen das Problem, dass das Wasser durch den Klimawandel zu heiß ist und darunter die Umwelt leidet.

Doch nicht nur die Umweltauswirkungen kritisieren die BI-Mitglieder. Atomenergie werde von vielen als klimafreundlich dargestellt – fälschlicherweise, so Karin Fichtner. „Die Brennelemente fallen ja nicht vom Himmel. Das Uran muss abgebaut, die Brennelemente müssen hergestellt, transportiert und gelagert werden. Bei all diesen Schritten entstehen natürlich Treibhausgase.“ Außerdem sei nicht klar, ob die Transporte der Brennelemente in Zukunft durch unsere Region führen werden, gibt Fichtner zu bedenken.

Kleineres Atomkraftwerk – kleineres Risiko?

Geplant sind in Tušimice sogenannte SMR-Blöcke. Das steht für „Small Modular Reactor“. Also kleinere Atomreaktoren als die bisher herkömmlichen. Die SMR-Atomwerke werden wegen ihrer geringeren Größe als weniger gefährlich bezeichnet – doch da man insgesamt mehr von ihnen bauen muss, um auf die gleiche Leistung zu kommen, erhöhe das wiederum das Gesamtrisiko „um ein Vielfaches“, so eine Einschätzung des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung. In Tušimice sollen bis zu sechs solcher SMR-Blöcke entstehen, mit einer elektrischen Nettoleistung von bis zu 1500 MW – also genauso viel wie das Atomkraftwerk Isar 2 zuletzt produziert hat.

Öffentlichkeitsbeteiligung läuft bis zum 14. Juli 2025

Aktuell läuft das Verfahren der Öffentlichkeitsbeteiligung. Das bedeutet: Sowohl deutsche Behörden als auch jeder Bürger können Stellungnahmen beim tschechischen Umweltministerium einreichen und darin auf die grenzüberschreitenden Umweltauswirkungen hinweisen. Die Aktivisten rufen dazu auf, dass sich möglichst viele Menschen beteiligen. „Das ist so wichtig, weil jede Einreichung von der tschechischen Verwaltung berücksichtigt werden muss.“, erklärt Caro Schiml. Schon jetzt seien dutzende Einwendungen beim tschechischen Umweltministerium eingegangen, wie eine Sprecherin gegenüber der ARD bestätigte.

Unter anderem die BI gegen atomare Anlagen und Bündnis90/Die Grünen haben dafür Musterschreiben veröffentlicht, an denen sich Bürger orientieren können. Sie finden diese Musterschreiben hier: https://gruene-weiden.de/wp-content/uploads/2025/06/Einwendung_AKW_Tusimice.pdf

und hier: https://biwaanaa.de/wp-content/uploads/2025/06/Stellungnahme-blanco-priv-aus-Reihen-der-BI.pdf

Die Adresse für Stellungnahmen (in deutscher Sprache möglich):

per E-Mail an: smr_tusimice@mzp.gov.cz
oder postalisch an:
Ministerstvo životního prostředí (Ministry of the Environment)
Vršovická 1442/65
100 10 Praha 10
Czech Republic

Mehr Infos finden Sie auch hier auf der Seite der BI WAA NAA: https://biwaanaa.de/2025/05/atomkraft-in-tschechien/

und hier auf der Seite des Bayerischen Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz: https://www.stmuv.bayern.de/themen/reaktorsicherheit/tusimice_smr/index.htm

(az)

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