Di., 12.05.2026 , 13:26 Uhr

Amberg

Herbe Niederlage für CSU, Riesen-Zoff im Stadtrat

Gestern hatte der neu gewählte Stadtrat in Amberg seine konstituierende Sitzung. Sie zog sich über fünf Stunden und 20 Minuten. Dabei wurde klar: Die nächsten sechs Jahren werden in der Amberger Stadtpolitik wohl turbulent.

Kurz vor der Sitzung scheint Ambergs Oberbürgermeister Michael Fritz noch entspannt zu sein. Zum ersten Mal wird er in wenigen Minuten die Stadtratssitzung leiten. Es ist die konstituierende Sitzung. Er wird vereidigt, aber auch die Stadträdte, die neu ins Gremium gewählt sind. Was am Anfang nach normalen Prozedere aussieht, wird bald kippen.

Denn bald stellt sich heraus: Dieser Abend wird eine herbe Niederlage für die CSU. Es hat sich nämlich eine Mehrheit gegen die CSU gebildet. Ins Rennen um das Amt des Zweiten Bürgermeisters geht neben SPD-Fraktionsvorsitzende Birgit Fruth auch Martin Preuß, der diesen Posten für die CSU bereits zwölf Jahre lang ausübte und in einer Brandrede daraufhinweist, dass die stärkste Fraktion im Gremium entsprechend berücksichtigt werden solle. Doch vergebens. Er verliert mit 18:22 Stimmen gegen Fruth.

Als dritter Bürgermeister setzt sich Tuncer Ayten von Amberger Bunt gegen Florian Füger von der Jungen Union durch. Es sind die Sieger des gestrigen Abends, aber es ist eine fragile Mehrheit. Man habe auch keine Koalition geschmiedet, sondern würde von Fall zu Fall miteinander stimmen oder eben nicht.

Fünf Stunden 20 Minuten Stadtratssitzung

Heißt aber auch: Die Interessen von sechs Parteien und dem fraktionslosen Dieter Mußemann müssen in dieser Mehrheit vereint werden. Kein leichtes Unterfangen. Das Tischtuch zwischen den Freien Wählern und der CSU jedenfalls ist zerschnitten. Das zeigt die restliche Stadtratssitzung. Als es um die Besetzung von Ausschüssen, Verbandsräten und Aufsichtsräten geht, wird die Sitzung immer wieder unterbrochen. Einmal sogar für 72 Minuten. Die CSU fühlt sich hintergangen, sieht sich als stärkste Fraktion zu wenig berücksichtigt. Die Gegner kontern, die CSU hätte jahrelang andere Parteien ausgegrenzt.

Auch innerhalb der CSU rumort es. Wenige Tage vor der Sitzung hat Dieter Mußemann die CSU verlassen. Seit 36 Jahren sitzt er im Stadtrat, 21 Jahre lang war er Fraktionsvorsitzender. Mit diesem Wahlkampf sei es eine Niederlage mit Ansage gewesen. Es fehle an Perspektive, sagt Mußemann.

Der Stadtrat präsentiert sich gespalten, persönliche Zerwürfnisse scheinen tiefe Wunden hinterlassen zu haben. Keine guten Voraussetzungen für die kommenden sechs Jahren in der Amberger Stadtpolitik.

(mz)

Hier zum Kommentar des Autors.

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