Michael Weinzierl liebt den Fußball – und er ist schwul. Der gebürtige Weidener spricht offen über seine Zeit als junger Spieler in der Region. Obwohl sich die Gesellschaft in den vergangenen Jahren spürbar weiterentwickelt hat, herrscht im Fußball beim Thema sexuelle Orientierung oft noch bedrückende Stille. Ein Coming-out kam für ihn damals nicht infrage. Zu groß war die Angst, sich selbst zu gefährden – durch abwertende Rufe von den Rängen, durch Ablehnung im Verein, durch persönliche Angriffe. Denn „schwul“ gilt im Fußball vielerorts noch immer als Schimpfwort oder vermeintliche Schwäche. Grund genug für ihn sich als junger Spieler nicht zu outen, erzählt er gegenüber OTV.
In den 2000er-Jahren zieht Michael nach München. Dort schließt er sich einem schwulen Fußballverein an – ein Schritt, der für ihn vieles verändert. Plötzlich ging es nur noch um Fußball, nicht um seine sexuelle Orientierung.
Was tut der BFV dafür?
Der Bayerische Fußball-Verband hat Ende 2024 eine Ansprechperson für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt benannt: Christoph Hertzsch. Er betont, wie wichtig es sei, gerade im Dorfverein ein Umfeld zu schaffen, in dem sich Menschen sicher fühlen. Kurz gesagt: Es braucht Rückhalt. Von Mitspielern, Fans, Trainern und Verantwortlichen. Wenn diskriminierende Sprüche fallen, müsse der Verein geschlossen hinter der betroffenen Person stehen. Und wenn es schwerfällt, das Thema überhaupt anzusprechen, gebe es Unterstützung – nicht nur beim BFV. Betroffene können anonym an quere Organisationen der Region schreiben z.B. in Weiden. Zuspruch ist dabei wichtig.
Hertzsch wünscht sich mehr sichtbare Vorbilder. Zwar haben sich international bereits einige Sportler geoutet, darunter auch ehemalige Profis. Doch es brauche aktive Spieler, die zeigen, dass Homosexualität im Fußball nichts Ungewöhnliches ist. Kleine Zeichen gebe es bereits – etwa die Regenbogen-Kapitänsbinde oder Spieler wie Leon Goretzka, der sich aktiv für homosexuelle Spieler einsetzt, erklärt Hertzsch. Rein statistisch müssten in den deutschen Profiligen rund 100 homosexuelle Spieler aktiv sein.
Die Lösung: „den Mund aufmachen FÜR andere, nicht dagegen“
Entscheidend sind die Reaktionen, das Zuhören, das füreinander Einstehen. Genau das macht Fußball aus – Teamgeist, Zusammenhalt, das gemeinsame Kämpfen. Warum also nicht auch geschlossen hinter einem Mitspieler stehen, der nichts anderes möchte, als einfach Fußball zu spielen.
(ls)