Do., 26.03.2026 , 10:27 Uhr

Weiden / Sulzbach-Rosenberg / Oberpfalz

Unterirdische Festungen: Was aus den Zivilschutzbunkern der Oberpfalz geworden ist

Dutzende Zivilschutzbunker verbergen sich unter den Städten und Gemeinden der Oberpfalz – alle nicht mehr einsatzbereit. Wir haben zwei besucht und nachgefragt, ob man die Bunker nicht heute wieder brauchen könnte.

Bis zu 1.400 Menschen sollten einst in der Tiefgarage unter dem Klinikum Weiden Schutz finden – vor atomaren, biologischen und chemischen Bedrohungen. Die Tiefgarage war zur Zeit ihres Baus nämlich nicht nur für Stellplätze gedacht, sondern auch als Zivilschutzanlage. Wer genau hinsieht, der entdeckt die Spuren noch heute. Massive Tore, tonnenschwer und aus bis zu 40 Zentimeter dicken Stahlplatten gefertigt, zieren die Treppenhäuser, Eingänge und Lüftungsöffnungen. Überdruckklappen zeugen von der Lüftungsanlage, die frische Luft drinnen und Bedrohungen draußen halten sollte. Diese Anlage versteckt sich ganz Unten in der Tiefgarage. Hinter einem weiteren massiven Tor liegt eine Batterie aus ABC-Schutzfiltern, Rohren, Pumpen, Messgeräten und mehr.

Im Ernstfall wäre das Parkhaus von oben bis unten abgeriegelt worden, ein Notstromaggregat hätte die Energieversorgung übernommen, und die Lüftung wäre angesprungen. Die unterste Ebene verfügt über eine doppelte Reihe Tore, die zusätzlich von Innen verschlossen werden können – womöglich für die wichtigsten Schutzsuchenden. Selbst für den schlimmsten Fall war vorgesorgt: Fiel die Technik aus, konnten die Menschen die Luftversorgung mit Muskelkraft aufrechterhalten. Bis zu 12 Freiwillige mussten die Pumpen per Hand ankurbeln – eine schweißtreibende, aber potenziell überlebenswichtige Aufgabe.

Ein Konzept aus der Vergangenheit

Solche Anlagen waren einst Teil eines flächendeckenden Zivilschutzsystems in Deutschland. Doch ihre Zeit schien vorbei: Seit 2008 wurden nahezu alle Schutzräume schrittweise entwidmet. In der Oberpfalz ist heute kein einziger mehr einsatzbereit, erklärt Katastrophenschutzexperte Andreas Pfauntsch. Der Grund dafür lag vor allem in der veränderten Bedrohungslage. Der Kalte Krieg war vorbei, der Ostblock stellte keine Bedrohung mehr dar. Die enormen Kosten für Wartung und Instandhaltung der Anlagen lohnten sich nicht mehr.

Erst in jüngerer Zeit hat sich der Blick darauf wieder verändert. Nach Beginn des Ukrainekriegs im Jahr 2022 stoppte die Bundesregierung die Entwidmung der noch verbliebenen Anlagen. Seitdem arbeitet sie an einem neuen Konzept für Schutzräume und erfasst bestehende Infrastruktur. Ob alte Bunker modernisiert oder neue gebaut werden, ist derzeit noch offen. Die Freiwillige Feuerwehr Rosenberg, die über einen entwidmeten Bunker im Keller ihrer Feuerwache verfügt, hat deshalb davon abgesehen, dessen Technik abzubauen. „Man weiß ja nie, was man noch brauchen kann“, so Kommandant Florian Kaufmann

Neues Leben für alte Bunker?

Katastrophenschutzexperte Pfauntsch geht allerdings nicht davon aus, dass die Instandsetzung der Bunker eine entschiedene Angelegenheit ist. Denn auch wenn es heute eine neue Bedrohungslage gibt – sie ist anders, als die des Kalten Krieges. Während damals vor allem atomare, biologische und chemische Angriffe gefürchtet wurden, gelten heute eher gezielte Angriffe auf kritische Infrastruktur als wahrscheinlich. Gegen solche Szenarien bieten die klassischen Schutzräume jedoch nur begrenzten Schutz.

So stehen die alten Schutzräume heute zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sie sind Relikte einer anderen Zeit – und zugleich ein Hinweis darauf, dass ihre ursprüngliche Idee vielleicht doch wieder an Bedeutung gewinnen könnte.

(sb)

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