Die Kommunalwahl liegt hinter uns, aber ein Ort in der mittleren Oberpfalz steht immer noch ohne Bürgermeister da: Thanstein im Landkreis Schwandorf. Dort wurden die Bürger zu einer Urwahl gerufen – denn im Vorfeld hatte keine Wählergemeinschaft einen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt. Für die Wähler hieß das: Sie durften keine Kreuzchen auf dem Wahlzettel machen, sondern den Namen ihres Wunschbürgermeisters aufschreiben – und das haben die Thansteiner auch getan: Rund 60 verschiedene Namen haben sie auf den Wahlzettel geschrieben.
Trotzdem wird vorerst keiner von ihnen Bürgermeister, denn: „Es hat keine der genannten Personen die absolute Mehrheit erreicht“, erklärt der aktuelle Bürgermeister Walter Schauer. „Die beiden Kandidaten mit den meisten Nennungen hätten in eine Stichwahl gehen müssen. Einer von beiden hat aber gleich abgelehnt und gesagt, dass er das Amt nicht mit seinem Beruf vereinbaren kann.“ Dementsprechend kann es keine Stichwahl geben und die Wahl muss nochmal wiederholt werden, so Schauer.
Amt ist zeit- und kraftintensiv
Am meisten Stimmen bei der Urwahl hat Michael Brandl mit 29,1% bekommen. Er sitzt bereits für die Christliche Wählergemeinschaft Kulz im Gemeinderat. Auf ihn folgte Christian Obermeier von der Freien Wählergemeinschaft Thanstein mit 16,4 % der Stimmen.
Bürgermeister Walter Schauer hat mit beiden nach der Urwahl gesprochen. Er kann verstehen, warum jemand es ablehnt, Bürgermeister zu werden. „Ich rate natürlich schon dazu, das Amt zu übernehmen. Aber ich bin auch so fair, dass ich sage, was für Konsequenzen das hat.“, erklärt Schauer. Die Familie stehe dann hinten an, an erster Stelle stehe immer das Bürgermeisteramt. Und auch beruflich sei es nicht immer möglich, auf Teilzeit zu reduzieren, um die Zeit für das ehrenamtliche Bürgermeisteramt aufzubringen.
Schauer weiß wovon er spricht. Er sitzt bereits im Gemeinderat, seit er 25 Jahre alt war. Für sechs Jahre war er außerdem zweiter Bürgermeister, für 12 Jahre erster Bürgermeister. Schauer kennt die Schattenseiten dieses herausfordernden Amtes – aber auch die schönen Seiten. Thanstein habe gut Schulden abgebaut und sei nun finanziell handlungsfähig, betont Schauer.
Alles auf Anfang
Wie geht es nun weiter? Es kommt nicht automatisch zu einer erneuten Urwahl. Stattdessen beginnt das Wahlprozedere komplett von vorne. Die Wählergemeinschaften sind also erneut aufgerufen, Kandidaten aufzustellen. Eins ist aber definitiv ausgeschlossen, erklärt Bürgermeister Schauer: Dass er noch weiter im Amt bleibt. „Ich bin 67 Jahre alt und habe nicht mehr die Kraft und die Zeit dafür“, so Schauer.
Das bedeutet nun: Der neu gewählte Gemeinderat wird zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommen und einen zweiten und dritten Bürgermeister wählen. Diese werden die Amtsgeschäfte vertretend leiten, bis es einen neuen ersten Bürgermeister gibt. „Egal, wie lange das dauert“, erklärt Schauer. „Ich bin aber schon optimistisch, dass sich bei der nächsten Wahlwiederholung ein Bürgermeister finden wird.“ Der neue Wahltermin für Thanstein ist der 14. Juni.
(az)