Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunftsversprechen mehr, sondern Teil unseres Alltags – auch im Gesundheitswesen. Wie stark sie Medizin und Arztpraxen verändern kann, war jetzt Thema eines Vortrags an der VHS Weiden-Neustadt. Referent war Prof. Dr. Björn Eskofier, Leiter des Lehrstuhls für KI-unterstützte Therapieentscheidungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München und einer der führenden Experten auf diesem Gebiet.
Viele Einsatzgebiete
Schon heute zeigt sich, wie leistungsfähig gezielt eingesetzte KI-Modelle sein können. In bestimmten Bereichen übertreffen sie menschliche Fähigkeiten bereits deutlich, etwa bei der Auswertung großer Datenmengen oder der Erkennung komplexer Muster. Besonders in der Radiologie ist das wertvoll – schon heute ist es vorgeschrieben, erklärt Dr. Eskofier, dass Radiologen Lungenbilder zusätzlich von Künstlicher Intelligenz auswerten lassen.
Ihr größtes Potenzial entfaltet Künstliche Intelligenz laut Eskofier aber vor allem dort, wo sie Ärzte und Patienten entlastet. Sie könnte in Zukunft etwa medizinische Dokumentationen automatisch erstellen oder Patienten bei der Nachsorge begleiten. Dadurch ließe sich wertvolle Zeit sparen und das ohnehin stark belastete Gesundheitssystem könnte spürbar entlastet werden.
Auch KI hat Grenzen
Trotz aller Fortschritte bleibt klar: Die letzte Entscheidung sollte weiterhin beim Menschen liegen. Eskofier betonte, dass KI auf absehbare Zeit keinen Arzt ersetzen wird. Diese Einschätzung teilten auch die Mediziner im Publikum. Ein zentrales Problem sind sogenannte Halluzinationen – also falsche Ergebnisse, die KI-Systeme als Fakt verpacken. Anders als ein Mensch kann KI sich niemals „unsicher“ sein. Sie errechnet das wahrscheinlichste Ergebnis, ohne zu erkennen, dass sie sich in ihrem Lösungsweg verlaufen hat. Gerade in der Medizin kann das schwerwiegende Folgen haben, weshalb ärztliche Kontrolle unverzichtbar bleibe.
Die Grundlage jeder Künstlichen Intelligenz sind Daten – und das gilt insbesondere für die Medizin. Diese stammen beispielsweise aus klinischen Studien, medizinischen Registern oder von Krankenkassen. Doch genau hier sieht Eskofier aktuell noch große Herausforderungen, vor allem in Deutschland. Häufig fehlen ausreichend strukturierte und gut verfügbare Datensätze. Dennoch ist er optimistisch, dass sich diese Situation in Zukunft verbessern wird und damit auch das Potenzial von KI-Anwendungen in Zukunft weiter wächst.
Ein routinemäßiger Arztbesuch ist heute also oft schon kein reines Vier-Augen-Gespräch mehr. Häufig sitzt – zumindest im Hintergrund – bereits die KI mit am Tisch. Und auch wenn sie den Arzt nicht ersetzt, dürfte sie in Zukunft eine immer wichtigere Rolle in der medizinischen Versorgung spielen.
(sb)