Sabine Götz wirkt auf den ersten Blick gesund. Tatsächlich lebt sie jedoch mit chronischen Schmerzen durch ein Lip-Lymphödem. Um den Alltag zu bewältigen, ist sie auf Kompressionsstrümpfe angewiesen und muss regelmäßig Termine bei Ärzten und im Sanitätshaus wahrnehmen. Viele alltägliche Tätigkeiten – etwa Haare föhnen, längeres Stehen oder Sitzen – fallen ihr schwer und führen schnell zu Schmerzen und schweren Beinen.
Was ein Lipödem ist
Das Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung. Dabei bildet sich krankhaft vermehrtes Fettgewebe, meist an Beinen und Armen. Typische Symptome sind Schmerzen, Druckempfindlichkeit und schnelle blaue Flecken.
Im Sanitätshaus werden Betroffene zunächst behandelt und vermessen: mit Lymphdrainage-Geräten zur Entstauung, präzisen Messungen der Gliedmaßen und der Auswahl passender Kompressionsstrümpfe.
Versorgung mit Kompressionskleidung
Nach etwa drei Wochen sind individuell angefertigte Kompressionsstrümpfe fertig. Das Anziehen erfordert Übung, doch die Wirkung ist deutlich: Durch gleichmäßigen Druck werden Schmerzen reduziert und die Beine stabilisiert. Dadurch bleibt die Form der Beine über den Tag hinweg weitgehend konstant.
Lange Diagnosewege und neue Behandlungsmöglichkeiten
Viele Betroffene kritisieren die geringe Bekanntheit der Krankheit. Schätzungen zufolge sind etwa zehn Prozent der Frauen betroffen, dennoch dauert es durchschnittlich über zehn Jahre, bis ein Lipödem diagnostiziert wird.
Ein wichtiger Fortschritt kam Anfang des Jahres: Der Gemeinsame Bundesausschuss hat entschieden, dass die operative Entfernung des krankhaften Fettgewebes künftig in allen drei Stadien von den Krankenkassen übernommen wird. Zuvor galt dies nur eingeschränkt für das dritte Stadium.
Hürden bleiben bestehen
Trotz der neuen Regelung müssen Betroffene weiterhin bestimmte Voraussetzungen erfüllen, etwa konservative Therapien vorher ausschöpfen und bestimmte BMI-Grenzen einhalten. Dennoch sehen viele Betroffene darin einen wichtigen Schritt – vor allem, weil die Krankheit dadurch mehr Aufmerksamkeit bekommt.
Austausch und Aufklärung
Sabine Götz engagiert sich in einer Selbsthilfegruppe, die sich einmal im Monat im St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg trifft. Auch das Sanitätshaus organisiert regelmäßig Aktionstage zum Thema Lipödem. Ziel ist es, die Erkrankung sichtbarer zu machen und Betroffene besser zu unterstützen.
(kw)