„Ich würde es begrüßen, wenn Sie alle auch unterm Jahr mal in den Werkstätten vorbeischauen und fragen: Was habt ihr für Probleme? Wo fehlt es denn?“ Werkstatträtin Erika Stelzl hatte deutliche Forderungen an die Landratskandidaten im Landkreis Tirschenreuth. Bei einer Podiumsdiskussion in den Stiftlandwerkstätten St. Elisabeth in Mitterteich haben sich fünf der sechs Kandidaten den Fragen der Mitarbeiter gestellt. Nur die Kandidatin von die Linke Stefanie Haaf war nicht anwesend.
Die Werkstatträte, die die Diskussion moderierten, wollten wissen: Was wollen die Kandidaten als Landrat konkret für Menschen mit Behinderung tun? Hubert Schicker von den Freien Wählern und Josef Schmidt von den Grünen hoben hier besonders das Thema Mobilität hervor: Menschen mit Behinderung sollen die Möglichkeit haben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut von A nach B zu kommen. Muhammet Dal, Kandidat der SPD, ging besonders auf das Thema Sport ein. Er schlug vor, dass in den Werkstätten vielleicht eine Sportmannschaft gegründet werden könne. Und Dr. Bernd Withöft von der FDP erklärte, er wolle sich besonders für inklusives Wohnen einsetzen.
Forderung: Begleitpersonen für Fahrdienste
Ein Thema, das an diesem Nachmittag immer wieder im Fokus stand: Mobilität. Roland Grillmeier von der CSU, amtierender Landrat, betonte bei diesem Thema, dass der Landkreis bereits viel anbiete: „Es gibt Fahrdienste, die man nutzen kann. Und wir vom Landkreis zahlen da auch schon vieles.“, so Grillmeier. Trotzdem hakten die Werkstattmitarbeiter hier nach: Zum Beispiel, ob es möglich sei, dass der Landkreis auch Begleitpersonen finanzieren könnte. Denn manche Menschen mit Behinderung hätten mit den Fahrdiensten alleine immer noch Probleme, so Werkstattrat Marcel Krawietz.
Politische Teilhabe ermöglichen
Für die Katholische Jugendfürsorge Regensburg, kurz KJF, die die Werkstätten betreibt, ist es in Mitterteich die erste Podiumsdiskussion dieser Art. Sie will ihren Mitarbeitern mit Behinderung politische Bildung und Teilhabe ermöglichen. Das Interesse dafür sei vorhanden. „Es wird mehr, vor allem wenn es um Politik auf Kommunalebene geht“, erklärt Melanie Eibl, Geschäftsführerin der Stiftlandwerkstätten. „Und gerade mit solchen Veranstaltungen wollen wir das auch forcieren, dass dieses politische Interesse gestärkt wird.“ Die KJF bietet dafür auch Schulungen an, zum Beispiel wie gewählt wird.
Nach der heutigen Podiumsdiskussion zieht Werkstattrat Marcel Krawietz auf jeden Fall ein positives Fazit. „Und ist es schon wichtig, dass unsere Anliegen ernst genommen werden. Manchmal muss man da auch hartnäckig bleiben“, so seine Erfahrung. „Aber heute merkt man schon, die Kandidaten nehmen es mit.“
Alle Antworten der Kandidaten wurden bei Bedarf auch in leichte Sprache übersetzt – denn der Zweck dieser Podiumsdiskussion sollte es sein, dass wirklich jeder bei politischen Entscheidungen mitreden kann.
(az)