Di., 24.02.2026 , 12:14 Uhr

Flossenbürg

Nach KI-Videos über den Holocaust – TikTok mit Gedenkstätten in Kontakt

KI-Inhalte, die erfundene Geschichten von vermeintlichen Holocaust-Opfern erzählen – solche Internetvideos bereiten aktuell den deutschen Gedenkstätten Sorgen. Nun hat die Plattform TikTok zu dem Problem Stellung bezogen.

Unsinnige KI-Videos fluten das Internet. Vielleicht haben Sie auch schon vermeintlich echt wirkende Videos gesehen, in denen plötzlich ein Bär Einrad fährt oder ein Astronaut ein Pferd auf dem Mond reitet. Solche Videos sind im besten Fall einfach nur Quatsch – sie können aber auch richtig problematisch werden. Zum Beispiel, wenn dadurch historische Ereignisse verzerrt oder einfach gefälscht werden. KI-Videos über den Holocaust bereiten seit einigen Wochen den Gedenkstätten in Deutschland Sorgen – auch der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg.

Content, der Klicks generieren soll

Ein historisch anmutendes Bild auf Facebook. Es soll angeblich einen Häftling im KZ Flossenbürg zeigen, dessen Füße am Boden festgefroren sind. Was auf den ersten Blick wie eine historische Aufnahme aussieht, ist in Wahrheit eine KI-Fälschung. Den Mann, die ganze Geschichte – sie ist frei erfunden, um Klicks zu generieren. Bei den Historikern von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg sorgen solche KI-Inhalte für Kopfschütteln. „Das ist einfach das komplette Gegenteil von dem, wie wir hier arbeiten“, erklärt Johannes Lauer. „Die KI-Videos sind so schlecht, dass jeder, der sich ein bisschen näher damit befasst, merkt: das ist einfach erfundener Blödsinn“, so die Ansicht von Prof. Dr. Jörg Skriebeleit.

Manche Seiten posten im Stundentakt neue KI-Videos über den Holocaust und erzählen dazu erfundene Geschichten über das Schicksal von Häftlingen. Die deutschen Gedenkstätten, darunter auch die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, haben deswegen einen offenen Brief verfasst: Solche KI-Videos würden die Geschichte verzerrt darstellen und die Arbeit von Gedenkstätten entwerten und untergraben.

TikTok-Vertreter „gelobte Besserung“

Reagiert hat darauf bisher nur eine große Social Media Plattform: TikTok hat das Gespräch zu den Gedenkstätten gesucht. „Dabei hat sich der Vertreter auch geschockt gezeigt vom Ausmaß, wie viel KI-generierter Content zum Holocaust und Nationalsozialismus unterwegs ist.“, erklärt Lauer. „Die Plattform hat auch Besserung gelobt. Solche Inhalte sollen nicht mehr monetarisiert werden, man soll also kein Geld mehr mit ihnen verdienen können. Das ist schon mal ein wichtiger Punkt.“

Professor Skriebeleit hatte gar nicht erwartet, dass die großen Plattformen auf den offenen Brief reagieren – trotzdem sei das Statement wichtig gewesen. „Und ging es einfach darum, Aufmerksamkeit zu generieren.“ Es sollte eine öffentliche Diskussion über das Thema angestoßen werden.

Fake oder real?

Heute sind die KI-Videos noch relativ einfach von echten historischen Aufnahmen zu unterscheiden. Durch ihre übertriebene Perfektion oder Logikfehler sind KI-Inhalte meist leicht zu entlarven. Außerdem: Echte historische Aufnahmen gibt es nicht viele, vor allem nicht aus Perspektive der Lagergefangenen. Doch die rasante Weiterentwicklung von KI macht Johannes Lauer Sorgen. „Vor allem dürfen wir nicht an den Punkt kommen, dass echte und künstlich erstellte Fotos in einen Topf geworfen werden.“ Wenn zu viele gefälschte Fotos existieren, bestehe die Gefahr, dass die Menschen überhaupt keinen Quellen mehr vertrauen – und dann eventuell auch den Holocaust anzweifeln oder leugnen.

In Zukunft werde die Expertise von Gedenkstätten deswegen noch wichtiger, so die Einschätzung von Prof. Skriebeleit – um echte Quellen von KI-Fälschungen zu unterscheiden.

(az)

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