Mo., 16.12.2024 , 11:08 Uhr

Weiden

Neuer Schutz für Babys vor dem RS-Virus

Das RS-Virus kann bei Babys zu schweren Atemwegserkrankungen führen. Nun gibt es einen neuen Schutz für Säuglinge, ähnlich wie eine Impfung. Wie das genau funktioniert, hat uns Dr. Fritz Schneble, Chefarzt an der Kinderklinik Weiden, erklärt.

Es sind gute Nachrichten für junge Eltern: Seit diesem Herbst gibt es in Deutschland einen neuen Weg, Neugeborene vor dem RS-Virus zu schützen. Dieses Virus kann vor allem bei Babys im ersten Lebensjahr schwere Infektionen der Atemwege auslösen. Atemwegserkrankungen durch das RS-Virus sind in Deutschland der häufigste Grund, warum Babys ins Krankenhaus eingewiesen werden. Immer wieder geraten deswegen in der Erkältungssaison die Kinderkliniken unter Druck, weil sie eine Welle an erkrankten Babys beatmen müssen.

RSV-Schutz mit Wirkstoff „Nirsevimab“

Wie viele weitere Kliniken und Kinderärzte in Deutschland bietet auch die Kinderklinik in Weiden seit diesem Herbst einen neuen Schutz vor dem RS-Virus an: Ein Mittel namens Nirsevimab, das wie eine Impfung verabreicht wird. Allerdings funktioniert es anders als eine klassische Impfung, wie Chefarzt Dr. Fritz Schneble erklärt: „Nirsevimab ist tatsächlich etwas neues. Nach einer herkömmlichen Impfung produziert der Körper als Reaktion Antikörper und schützt sich damit. Nirsevimab ist selbst ein monoklonaler Antikörper, der dem Baby gespritzt wird. Dadurch ist das Kind gegen das RS-Virus geschützt.“ Der Körper muss also die Antikörper nicht selbst herstellen, sondern bekommt sie direkt gespritzt.

Gute Erfahrungen in anderen europäischen Ländern

Die Schutzwirkung halte für eine Erkältungssaison an und müsse nicht aufgefrischt werden, erklärt Schneble weiter. Andere Länder hätten mit dem Wirkstoff bereits gute Erfahrungen gemacht. „In Spanien und Frankreich gab es Impfkampagnen mit Nirsevimab bereits ein Jahr früher als in Deutschland. Dort gab es deutlich weniger Noteinweisungen in den Kinderkliniken wegen RSV-Infektionen.“

In der Kinderklinik in Weiden gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Erkältungssaisons mit hohen Fallzahlen. 2019, 2021 und 2022 hat die Klinik pro Jahr zwischen 150 und 200 an RSV erkrankte Babys behandelt. Das bringe die Kliniken an ihre Grenzen. „Oft müssen wir dann viele Kinder auf einmal behandeln“, so Schneble. Aber: Es gebe auch immer wieder Jahre, in denen die RSV-Welle ausbleibe oder relativ niedrig ausfalle. Das zeigen auch Zahlen des Robert-Koch-Instituts. „Diesen Herbst und Winter zum Beispiel hatten wir bisher noch keinen RSV-Fall in der Weidener Kinderklinik“, erklärt Schneble. Aber er gibt auch zu bedenken: „Es kann auch sein, dass die Welle erst im Januar beginnt, so etwas kommt auch immer wieder vor.“

RSV-Schutz wird von Krankenkasse übernommen

Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Schutz mit Nirsevimab für alle Babys vor ihrer ersten RSV-Saison. Die Kosten dafür übernimmt die  Krankenkasse. Es gibt auch eine alternativen Weg: Wenn nämlich die Mutter während der Schwangerschaft gegen das RS-Virus geimpft wird, gibt sie die Antikörper auch an ihr Baby weiter und das Kind ist nach der Geburt geschützt, erklärt Dr. Schneble. Der Nachteil: Da es dafür noch keine offizielle Empfehlung von der Ständigen Impfkommission gibt, werden die Kosten für diese Impfung nicht von der Krankenkasse übernommen.

(az)

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