Der Bedarf an psychiatrischen Behandlungen in unserer Gesellschaft wächst. Das zeigt sich schon allein an den Zahlen der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weiden. Dort haben die der medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz, kurz medbo, 2025 mehr als 1.600 Kinder und Jugendliche behandelt. Das entspricht einem Anstieg von 300 Patienten im Vergleich zu 2024.
Abhilfe schaffen könnte da die neue stationäre Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik, die aktuell für rund 34 Millionen Euro in Weiden gebaut wird. Diese soll ab April schrittweise in Betrieb gehen und 32 Dauerplätze sowie eine Schule für Kranke beherbergen. In den nächsten Wochen soll laut Chefarzt David Aue die ganze Einrichtung angeliefert und eingerichtet werden. Zudem sollen ab März etwa 75 neue Mitarbeiter in der neuen Klinik angelernt werden.
Bislang müssen Eltern mit ihren betroffenen Kindern noch nach Regensburg fahren. Das könne eine enorme Belastung für die Familien sein. Vor allem könne eine Notfallversorgung eine Familie 24 Stunden am Tag treffen, so Aue. Auch mitten in der Nacht könne die Situation eintreten, dass Eltern aufgrund einer akuten psychischen Krise ihr Kind vorstellen wollen. Das heißt sie müssten auch um 1 Uhr oder 2 Uhr in der Nacht nach Regensburg fahren. Teilweise auch mit Rettungsmitteln, wie Rettungsdienst, Notarzt in Begleitung. Das ziehe natürlich auch hier aus der Region diese Rettungsmittel für die Zeit ab, so der Chefarzt.
Aufgrund der hohen Auslastung der psychiatrischen Kliniken ist es laut Bezirkstagspräsident Franz Löffler wichtig, dass nur Fälle in den Einrichtungen behandelt werden, die auch als medizinische Fälle identifiziert sind. So gebe es Fälle, die der Kinder- und Jugendpsychiatrie zukommen, die eigentlich Erziehungsfehler seien, so Löffler. Er appelliert auch an die Eltern ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Die psychiatrischen Einrichtungen könnten nicht die Reparaturwerkstatt für alle Dinge sein, die ihnen am Ende nicht zufallen würden, so der Bezirkstagspräsident. So sei es die Verantwortung der gesamten Gesellschaft, wie sie mit dem Thema der Nutzung von Social Media umgehe, so Löffler. Das wirke sich auch auf das Verhalten und die Instabilität junger Menschen aus.
Der Neubau in Weiden und der Anstieg der behandelten Fälle waren aber nur zwei Themen beim jährlichen Neujahrsbesuch der medbo. Ein weiterer Punkt war auch das Bezirksklinikum Wöllershof. Die medbo stehe nach Aussagen des ärztlichen Leiters in Wöllershof, Prof. (OTH AW) Dr. Markus Wittmann, finanziell aktuell auf stabilen Füßen und der Fachkräftemangel sei hier ebenfalls kein Problem. Doch auch in Wöllershof sei die Belegung sehr hoch und der Aufnahmedruck steige, so Wittmann. Das führe dazu, dass es oft Probleme gebe die Behandlungsplätze zeitnah zur Verfügung zu stellen. Gerade auch im Akutbereich.
Es bleibe also genug zu tun, so Bezirkstagspräsident Löffler. Zudem brauche es vor allem Mut und Haltung, um über psychische Erkrankungen zu sprechen. Mit dem Bezirksklinikum Wöllershof und der neuen Kinder- und Jugendpsychiatrie in Weiden kann den Patienten jedenfalls wohnortsnah und ohne lange Anfahrtswege geholfen werden.
(km)