Venezia Velour bei ihrer Dragshow. Die Dragqueen ist extra aus Salzburg angereist, um queere Menschen in der Oberpfalz zu unterstützen. Sie selbst ist in der Nähe von Weiden geboren und weiß, dass gerade in ländlichen Gebieten wie der Oberpfalz noch Aufklärung erforderlich ist. Dragqueen zu sein hat nichts mit der Sexualität zu tun, erklärt sie. Es sei eine Kunstform.
Erklären und Aufklären – es sind zwei Gründe, warum der Verein Kunterbunt in Amberg den CSD veranstaltet. Queere Menschen, so sagt es die stellvertretende Veranstaltungsleitung Sky Rosenkranz, müssten sich immer wieder rechtfertigen. Es fehle an Akzeptanz, immer wieder wird queeren Menschen Straftaten wie Pädophilie unterstellt. Mit dem CSD wolle man daher einen Begegnungsort schaffen für alle, die Angst haben.
Nicht alle sehen das so, dass das normal ist. Auch deswegen steigen Straftaten gegen queere Menschen. 2023 waren es laut Bundeskriminalamt deutschlandweit fast 1800 Straftaten – mehr als sieben Mal so viel wie zehn Jahre davor. Ein Höhepunkt: Eine Woche vor dem CSD in Amberg verübte ein Islamist einen Anschlag am CSD in Berlin – mit einem Toten. Die Folge für Amberg: Die Polizei vergrößerte das Aufgebot, die Veranstalter änderten die Route. Vor allem ärgert Sky Rosenkranz aber, dass die Szene nun für Islamfeindlichkeit instrumentalisiert wird. Für sie sei Islamfeindlichkeit trotz des Anschlags keine Option.
Und auch die Demonstranten – laut Polizei waren es 220, laut Veranstalter 400 – ließen sich vom Anschlag in Berlin nicht abschrecken.
Allein die CSDs in Amberg und Schwandorf kosten dem Verein Kunterbunt 4000 Euro. Bunte Regenbogenfarben, freudige Musik, Seifenblasen – der CSD sollte trotz eines kräftigen Gewitterschauers ein gutes Gefühl vermitteln. Auch Zuschauer des Zugs waren positiv gestimmt.
Auf der Veranstaltung waren auch Menschen mit Masken zu sehen – was laut dem Bayerischen Versammlungsrecht in Bayern eigentlich verboten ist. Die Polizei erklärte gegenüber OTV, dass es sich bei diesen Masken aber nicht um den Versuch handelt, Straftaten zu vertuschen, sondern einen Teil seiner Idendität auszudrücken. Von allen vermummten Teilnehmern hat die Polizei daher im Vorfeld die Personalien aufgenommen – und nach der Veranstaltung wieder gelöscht. Denn: es verlief alles friedlich.
(mz)
Weitere Beiträge zu dem Thema:
=> Reportage: Wie ist es, in der Oberpfalz eine Transperson zu sein?