Ein Notruf läuft in der Integrierten Leitstelle ein: Verdacht auf Herz-Kreislaufstillstand. Während der Rettungsdienst losfährt, vergeht wertvolle Zeit — Zeit, die über Leben oder Tod entscheiden kann. Genau diese ersten Minuten sollen zertifizierte Ersthelfer überbrücken. In Amberg ist unter anderem Leon Storch im Einsatz. Für ihn ist klar: Helfen ist keine Frage des Mutes, sondern der Bereitschaft, über sich hinauszuwachsen. Wer den ersten Schritt macht, merkt schnell, dass Lebensretten gar nicht so kompliziert sein muss.
Lebensrettung im Team
Leon und sein Vater gehören zu denjenigen, die sofort übernehmen: Beatmung, Herzdruckmassage oder der Einsatz des Defibrillators. Sobald der Rettungsdienst eintrifft, läuft alles Hand in Hand. Alarmiert werden die Ersthelfer über die App Region der Lebensretter 3.0, die in der nördlichen Oberpfalz seit gut einem Jahr im Einsatz ist.
Dr. Sebastian Morcinek beobachtet die Entwicklung: Die Einführung sei vielversprechend gestartet, dann sei das Engagement kurzzeitig abgeflaut. Momentan gehe es vor allem darum, die bestehenden Helfer motiviert zu halten und gleichzeitig neue Unterstützer zu gewinnen.
Hoher Bedarf – und viel Potenzial
Rund 1200 Ersthelfer sind derzeit im Zweckverbandsgebiet registriert, viele davon im Raum Amberg und Amberg-Sulzbach. Doch um flächendeckend Hilfe in den entscheidenden ersten Minuten leisten zu können, bräuchte die Region etwa 5000 Engagierte.
Im ersten Jahr kam es laut Morcinek zu rund 1000 Alarmierungen über die App. Doch fast 600 Mal lief der Alarm ins Leere, vor allem im Raum Weiden–Tirschenreuth fehlen Helfer.
Wie wichtig diese ersten Minuten sind, betont Dr. Franziska Haas aus der Anästhesie am Klinikum Amberg. Der Rettungsdienst könne zwar oft den Kreislauf wiederherstellen, doch das Gehirn sei nach wenigen Minuten ohne Sauerstoff irreparabel geschädigt. Deshalb bietet das Klinikum regelmäßig Kurse an – offen für alle, die ihre Kenntnisse auffrischen oder neu dazulernen wollen.
Leichte Bedienung
Die App funktioniert einfach: Bei einem Notruf löst sie einen lauten Alarm aus, Ersthelfer in der Nähe können sofort reagieren. Sie sehen, ob ein Defibrillator gebraucht wird und wo der nächste ist – viele Geräte hat Sebastian Morcinek mit seinem Team selbst ins System eingepflegt. Hinter dem Projekt steckt also viel Herzblut, doch allein reicht das nicht: Gesucht werden vor allem noch mehr Ersthelfer, die das System mit Leben füllen.
(kw)