Wann haben Sie das letzte Mal Tauziehen gespielt? Viele würden da vermutlich sagen, als sie noch Kinder waren. Nicht so in Waldthurn: Dort hat das Seilziehen Tradition und zwingt gestandene Männer und Frauen in die Knie. Aber in die Seile hängen gilt nicht – beim Seilzieherfest am Pfingstsonntag hieß es: Den ersten Platz holen! Der Verein Seilzieher der Fahrenbergauswahl hatte eine Arena beim Vereinsheim aufgebaut und zehn Mannschaften haben die Herausforderung angenommen.
Das Seilziehen hat bereits seit 1980 Tradition in Waldthurn – bis heute. „Das ist hier einfach verwurzelt.“, so Vereinsvorstand Michael Stahl. „Das haben unsere Väter schon gemacht und die haben den Virus quasi mit uns fortgepflanzt.“, erzählt Stahl lachend. An die Anfänge des Seilziehervereins erinnert sich der ehemalige Bürgermeister und Gründungsmitglied Josef Beimler gut. „Losgegangen ist das ganze mit einem Seilziehen in Wurz, da haben wir aus Waldthurn damals mitgemacht.“, erzählt der Altbürgermeister. „Dann haben wir einen eigenen Verein gegründet und jahrzehntelang waren wir die stärksten Männer der Oberpfalz!“
Ein Seil, sechs Teammitglieder und maximal 540 Kilo
Die Regeln für das Turnier sind einfach: Sechs Männer oder Frauen sind in einer Mannschaft. Gewonnen hat das Team, das die Gegner zwei Meter auf seine Seite über die blaue Linie ziehen kann. Und: Eine Männermannschaft darf zusammen höchstens 540 Kilogramm wiegen.
Doch mit Gewicht alleine ist es nicht getan: Das Ziehen erfordert richtig Kraft und Ausdauer. Einige Mannschaften haben sich vorher fleißig auf das Turnier vorbereitet, zum Beispiel die Kampfschnecken, das Frauenteam vom Fahrenberg. „Wir haben ein- bis zweimal die Woche trainiert.“, bekräftigt Patricia Schütz von den Kampfschnecken. Auch die Männerteams vom Fahrenberg haben das Seilziehen im Vorfeld mithilfe eines Traktors trainiert.
Fahrenberg, Waidhaus und Neudorf auf dem Siegertreppchen
Im Vordergrund stand aber ganz klar eines: Die Geselligkeit und für viele Teilnehmer auch einfach die Gaudi. „Wir haben da kein einziges Mal trainiert“, gibt Max Wopper von der Freiwilligen Feuerwehr Neudorf lachend zu. „Wir haben einmal geübt und dann ist das Seil gerissen. Dann haben wir gesagt, wir lassen es sein.“ Die Freiwillige Feuerwehr Neudorf bei Georgenberg feiert nächstes Wochenende Jubiläum und wollte deswegen mit der Teilnahme beim Seilzieherfest nochmal ordentlich Werbung machen.
Auch ohne Training hat es für die Neudorfer für den dritten Platz gereicht. Platz eins und zwei holten die Teams Fahrenberg 1 und 2. Den ersten Platz bei den Frauen holte das Damen-Team aus Waidhaus.
(az)