Vier Monate lang hat das Amberger Landgericht ein Mammutprozess beschäftigt: Auf der Anklagebank saßen fünf Männer aus dem Amberger und Schwandorfer Raum, die in einer kriminellen Bande gewesen und mit Waffen und Drogen gehandelt haben sollen. In den Plädoyers hatte die Staatsanwaltschaft für die fünf Angeklagten zwischen siebeneinhalb und zwölfeinhalb Jahren Haft gefordert. Nun sind die Urteile gefallen: Haftstrafen von fünf Jahren und neun Monaten bis zu 12 Jahren.
Die erste Strafkammer sieht es als erwiesen an, dass die Angeklagten in einer kriminellen Bande mit Drogen und Waffen gehandelt haben, um Gewinn zu machen. Zwei der Angeklagten sollen nach einem Teil ihrer Haftstrafe in eine Entziehungsanstalt kommen. Der Bandenboss, ein 40-Jähriger aus Schwandorf, hatte die Taten gestanden. Er bekommt die höchste Strafe der fünf Männer: 12 Jahre Haft.
„Ganz einfach ein Märchen“
Als zweiten Haupttäter sieht das Gericht einen 49-jährigen Ukrainer. Sein Anwalt hatte im Plädoyer zwar den Freispruch seines Mandanten von den Tatvorwürfen gefordert. Dieser hätte von den konkreten Drogendeals nichts gewusst. Das sei laut der Vorsitzenden Richterin Elke Escher aber ein „Märchen“, wie sich im Prozess gezeigt hätte. Die Kammer verhängte für ihn elf Jahre Haft.
Auch ein weiterer Angeklagter hatte im Prozess darauf gepocht, lediglich als Helfer in der Bande aktiv gewesen zu sein: Ein 42-Jähriger aus der Nähe von Amberg. Er hatte sich ebenfalls nicht auf einen Deal eingelassen. Das Gericht sieht die Sache etwas anders: Er habe sehr wohl eine wichtige Rolle in der Bande gespielt und muss dafür nun sieben Jahre und drei Monate ins Gefängnis.
Zwei Angeklagte legten Geständnis ab
Vorsitzende Richterin Elke Escher zitiert in der Urteilsbegründung immer wieder Chatnachrichten und Telefongespräche der Bandenmitglieder, die die Beteiligung der Angeklagten an den Drogendeals zeigten. Daraus hätte sich auch ergeben, dass zwei der Angeklagten eine eher untergeordnete Rolle gespielt hätten. Dabei handelt es sich um zwei Männer aus dem Landkreis Schwandorf. Sie hatten sich beide auf eine Verständigung mit dem Gericht eingelassen und gestanden. Dementsprechend hatten sie das geringstmögliche Strafmaß, das ihnen im Rahmen der Verständigung in Aussicht gestellt geworden war, bekommen: sieben Jahre bzw. fünf Jahre neun Monate Haft.
Auch die Freundin des Bandenbosses, eine junge Frau aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, war in einem eigenen Prozess bereits verurteilt worden. Sie bekam im vergangenen Herbst eine vierjährige Haftstrafe. Mit dem heutigen Urteil geht ein Mammutprozess mit 30 Verhandlungstagen, 11 Verteidigern und hohen Sicherheitsvorkehrungen am Landgericht Amberg zu Ende. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.
(az)