In Tschechien haben Biber einen Damm gebaut, mit dem sie es in die Schlagzeilen geschafft haben: Die Tiere haben damit eine Arbeit erledigt, die den Menschen sonst 1,2 Millionen Euro gekostet hätte. Und die Biber haben das schneller, unkomplizierter und auch noch besser gebaut, als der Mensch das könnte. Doch nicht überall, wo der Biber sich als Landschaftsarchitekt austobt, ist das so gerne gesehen.
Der Biber geht in einem Waldstück beim Steinwaldradweg in Waldershof seiner Lieblingsbeschäftigung nach: Er baut sich die Welt, wie sie ihm gefällt. Die Stadt hat den Radweg seit mehreren Wochen gesperrt, denn die Gefahr für den Menschen sei zu hoch. „Viele Bäume sind inzwischen entweder vom Biber selbst umgelegt worden oder sie sind kaputt gegangen und umgefallen“, erklärt Bürgermeisterin Margit Bayer. „Denn hier steht inzwischen alles unter Wasser, des vertragen die Bäume nicht. Und wenn dann ein Windstoß kommt…“. Die Stadt könne den Weg gar nicht mehr oft genug kontrollieren, deswegen war die Sperrung die einzige Lösung.
Zehntausende Euro Kosten durch Biberschäden
Auch in anderen Ortsteilen habe sich der Biber bereits ausgebreitet, beklagt die Bürgermeisterin. Fast überall sorge das Nagetier dabei für Schäden. Im vergangenen Jahr habe die Stadt permanent Biberdämme und umgefallene Bäume beseitigt. Irgendwann sei der Bauhof nicht mehr hinterhergekommen und die Gemeinde habe ein externes Unternehmen damit beauftragt: Kosten von mehreren 10.000 Euro.
Inzwischen gefährdet der Biber auch die Wasserversorgung von Waldershof und Marktredwitz. Denn die Wasseranstauung ist inzwischen so groß, dass sie auch ins Wasserschutzgebiet reicht, wo die Tiefbrunnen sind. „Und in dem stehenden Wasser sind Fäulnisbakterien am Werk, die könnten ins Grundwasser und damit auch ins Trinkwasser eindringen“, erklärt die Bürgermeisterin.
Das hat nun den Ausschlag gegeben: Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt in Tirschenreuth hat den Abschuss von sechs Bibern im Gebiet entlang des Steinwaldradwegs genehmigt. Eine solche Genehmigung ist zwingend nötig, denn der Biber ist eigentlich streng geschützt.
„Der Biber macht quasi Renaturierung gratis“
Und das mit gutem Grund, erklärt Werner Schubert vom Bund Naturschutz. Denn der Biber setze als Landschaftsarchitekt quasi kostenlos Renaturierungsmaßnahmen um. Er sorgt dafür, dass Flächen wieder vernässen und Wasser in der Fläche zurückgehalten wird. Dass nun aber sechs Biber in Waldershof geschossen werden dürfen, sehen die Naturschützer gelassen. Die Biberpopulation in Bayern sei groß genug und könne das verkraften. „Wir sehen hier in Waldershof schon die Notwendigkeit, dass eine Entnahme möglich sein muss. Gerade da wo ein Wasserschutzgebiet ist, sollte es nicht zu Überschwemmungen und zu Verunreinigungen kommen.“, so Schubert.
Sorge trotz Entnahmegenehmigung
Im Rathaus in Waldershof herrscht Erleichterung darüber, dass nun nach vielen Anträgen erstmals eine Abschussgenehmigung erteilt wurde. Bürgermeisterin Bayer geht aber davon aus, dass damit nicht alle Probleme gelöst sein werden. Denn: „Die Biberburg dürfen wir nicht entfernen.“ Und nachdem viele Biber im Gemeindegebiet unterwegs sind, werde es wohl nicht lange dauern, bis in der leerstehenden Burg dann ein „neuer Mieter“ einzieht, so die Befürchtung der Bürgermeisterin.
Ihr Vorwurf: Der Schutz der Umwelt würde in diesem Fall über dem Schutz der Menschen stehen. Waldershof wird dem Nagetier jedenfalls den Kampf ansagen, wenn er weiterhin mit seinen Bauten das Gemeinwohl gefährdet.
(az)