Wilhelm Vierling, geboren 1885, gilt als bedeutendster Maler und Bildhauer Weidens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aufgewachsen in einer angesehenen bürgerlichen Familie, die die Marien-Apotheke leitete, entwickelte er früh sein künstlerisches Talent – und blieb seiner Heimat ein Leben lang treu.
Der Anfang in der Kirche
Sein künstlerisches Schaffen begann gleich mit einem seiner Meisterwerke: der Josefskirche in Weiden: Noch während seiner Ausbildung arbeitete er dort zunächst als an der Seite des Münchner Künstlers Franz Hofstötter. Als dieser das Projekt verließ, übernahm Vierling die Fertigstellung der großen Wandgemälde anhand weniger Skizzen. Daneben schuf er eigenständige Werke wie die monumentale Skulptur von David und Goliath. Ein Besuch in der Josefskirche zeigt, zu welchen Leistungen Vierling schon in jungen Jahren im Stande war.
Vierling war vielseitig tätig: Neben sakraler Kunst malte er Landschaftsbilder und Tierstudien, bemalte Schützenscheiben und restaurierte historische Möbel. Er war auch ein großer Freund des Weidener Stadtmuseums, das seine Werke heute in einer Sonderausstellung zeigt.
Ein bescheidenes Leben
Vierlings Leben verlief jedoch ohne großen Glanz. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er in Rumänien und malte dort Landschaften. Während der NS-Zeit wurde er ausgegrenzt und zur Arbeit in einer Gärtnerei verpflichtet. Dennoch blieb er künstlerisch aktiv – bis in die 1970er Jahre. Während dieser ganzen Zeit lebte Vierling im gleichen Haus, direkt neben der Josefskirche. Seine Einrichtung soll er seit den 1920ern nicht mehr verändert haben.
Auch seine Familie prägte die Stadt: Seine Schwester Antonie Vierling war selbst künstlerisch begabt, wurde vor allem aber für ein anderes Lebenswerk bekannt: 1919 wurde sie als erste Frau in den Weidener Stadtrat gewählt.
Die Sonderausstellung rund um Wilhelm Vierling ist noch bis zum 29. Mai in Stadtmuseum Weiden zu sehen.
(sb)