Mit Blasmusik, Festbetrieb und prominenten Gästen feierte Waldsassen einen Moment, auf den viele Bürger jahrzehntelang gewartet haben: den offiziellen Spatenstich für die Ortsumfahrung. Was auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Termin mit Politikern in weißen Hemden wirkte, markiert für die Stadt das Ende einer langen und konfliktreichen Geschichte.
Rund 36 Jahre lang wurde um die Umgehungsstraße gerungen. Seit der Öffnung der Grenze zu Tschechien wünschten sich viele Waldsassener eine Entlastung vom zunehmenden Verkehr. Doch nicht alle waren von den Plänen überzeugt. Zum einen war da das immer-währende Thema des Naturschutzes. Außerdem stieß der Verlauf der Trasse auf Gegenwind, da diese die Stadt nicht ganz umgehen soll. Über Jahrzehnte hinweg prägten Diskussionen, Demonstrationen und Gerichtsverfahren die Debatte.
Startschuss für ein Millionenprojekt
Nun soll aus dem lang gehegten Wunsch Realität werden. Die ersten Bauarbeiten haben schon im März begonnen. Die neue, rund fünf Kilometer lange Strecke soll etwa 93 Millionen Euro kosten und wird vollständig vom Bund finanziert. Sie soll über die ehemalige Bahntrasse führen, an der kaum gebaut wurde. Damit umfährt sie immerhin die größten Wohngebiete und die Innenstadt.
Für einen Mann hatte der Spatenstich dabei eine ganz besondere Bedeutung: Karlheinz Hoyer, in Waldsassen besser bekannt als „Tschiberl“. Er gehörte zu den engagiertesten Befürwortern des Projekts und stand über viele Jahre an vorderster Front des Protests. Noch 2017 führte er die letzte Demonstration für die Ortsumfahrung an. Entsprechend groß war die Freude, als er beim offiziellen Baustart zu den Ehrengästen zählte.
Persönlichkeiten aus Berlin und vor Ort
Auch zahlreiche Politiker waren nach Waldsassen gekommen. Unter ihnen Bayerns Wohn-, Bau- und Verkehrsminister Christian Bernreiter sowie der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Ulrich Lange. Dieser machte deutlich, dass die Unterstützung für das Projekt keineswegs selbstverständlich gewesen sei. Es sei nicht immer einfach gewesen, die Verantwortlichen in Berlin von der Notwendigkeit einer Ortsumfahrung in der Oberpfalz zu überzeugen.
Die Stadt machte aus dem Spatenstich weit mehr als einen offiziellen Verwaltungsakt. Blaskapelle, Verpflegung und ein buntes Rahmenprogramm sorgten für Volksfeststimmung. Für besondere Unterhaltung sorgte Kabarettist Wolfgang Krebs, der mit seinen Parodien von Markus Söder, Hubert Aiwanger und Edmund Stoiber zahlreiche Lacher erntete.
(sb)