Do., 02.07.2026 , 14:22 Uhr

Paulusbrunn / Bärnau

Nach 81 Jahren: Die Schaa-Feier kehrt nach Paulusbrunn zurück

Zum ersten Mal seit 81 Jahren wird am 11. Juli das Paulusbrunner Schaa-Fest gefeiert. Doch Paulusbrunn selbst gibt es nicht mehr. Jetzt soll das verlorene Dorf kurz hinter der tschechischen Grenze bei Bärnau wieder aufleben.

81 Jahre lang war es still in Paulusbrunn. Das einstige Dorf an der bayerisch-böhmischen Grenze wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zerstört, seine Bewohner vertrieben. Nun soll eine der wichtigsten Traditionen des Ortes wieder aufleben: die Schaa-Feier. Mehrere Vereine aus Deutschland und Tschechien laden am 11. und 12. Juli zum Mini-Festival „Paulusbrunn erwacht zum Leben“ an den Ort des ehemaligen Dorfes ein.

Von Paulusbrunn ist heute kaum noch etwas zu sehen. Nur der Friedhof und eine alte Gedenksäule erinnert an das Dorf, in dem einst rund 1.400 Menschen lebten. Wie viele sudetendeutsche Grenzsiedlungen wurde Paulusbrunn nach dem Zweiten Weltkrieg dem Erdboden gleichgemacht.

Ein Fest, das ausgestorben ist

Die Bärnauer Heimatforscherin Ingrid Leser erzählt von der Schaa-Feier. Sie war Teil der Kultur von vielen Dörfern in der Grenzregion. Doch in Paulusbrunn war sie das wichtigste Fest im Jahreslauf. Menschen aus allen Ortsteilen kamen in der Kirche zusammen, um für gutes Wetter und eine reiche Ernte zu beten. Auch die Nachbarn von der anderen Seite der Grenze feierten mit.

Zentral dabei waren die sogenannten Madonnen. Jeder Ortsteil hatte eine Marienstatue, die in einer Prozession mit in die Kirche gebracht wurde. Heute existieren noch zwei der Madonnen, und eine davon hat der Bärnauer Rudolf Standfest von seinem Großvater geerbt. Diese Statue wird zum ersten Mal seit 81 Jahren wieder an der Schaa-Feier teilnehmen können.

Zusammenarbeit über die Grenze hinweg

Organisiert wird alles vom Deutsch-Tschechischen Verein für Freundschaft und Zusammenarbeit, dem Verein Via Carolina – Goldene Straße, der Arge Paulusbrunn sowie weiteren Unterstützern wie der LUCE-Stiftung. Gefeiert wird auf einem heute leeren Feld, wo einst Kirche und Schule standen.

Neben dem historischen Brauch soll das Festival vor allem Begegnungen ermöglichen. Besucher aus Deutschland und Tschechien sind eingeladen, gemeinsam Zeit zu verbringen, miteinander ins Gespräch zu kommen und die gemeinsame Geschichte zu entdecken. Geplant sind außerdem akustische Musik, eine Kunstinstallation mit Teilen des ehemaligen Dorfes, ein Kino-Café, ein Sommerkino sowie Theateraufführungen.

„Paulusbrunn erwacht zum Leben“ soll die Geschichte des verschwundenen Dorfes wieder erlebbar machen. Die Schaa-Feier beginnt 11. Juli um 14 Uhr. Weitere Infos finden Sie auf der Webseite des Deutsch-Tschechischen Vereins für Freundschaft und Zusammenarbeit.

(sb)

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