Mi., 18.09.2024 , 13:39 Uhr

Weiden

Nach Gambrinus-Insolvenz: Ein Blick in die Weidener Braugeschichte

Ein Blick in die Braugeschichte Weidens: schon im 16. Jahrhundert sind die ersten großen Brauhäuser der Stadt entstanden. Mit der Brauerei Gambrinus ist jetzt das letzte untergegangen. Stadthistoriker Dr. Schott hat diese Geschichte für uns aufgezeigt.

Die Stadt Weiden verliert mit der Schließung der Brauerei Gambrinus ein Stück ihrer Geschichte. Am 30. August 2024 musste das traditionsreiche Brauhaus endgültig seine Türen schließen – der Grund: Insolvenz. Für viele Weidener bedeutet dies das Ende einer Ära, denn Gambrinus war die letzte große Brauerei der Stadt.

Obwohl die Brauerei Gambrinus erst 1927 gegründet wurde, hat sie dennoch einen bedeutenden Platz in der Brauereigeschichte der Stadt eingenommen. Sie war eine von fünf großen Brauhäusern, die das Stadtbild Weidens während des 20. Jahrhunderts prägten. Weiden galt einst als regelrechte Brauereihochburg. Doch ein Brauhaus nach dem anderen musste mit  der Zeit seinen Betrieb einstellen. Mit der Schließung von Gambrinus hat Weiden jetzt seine letzte verbliebene Großbrauerei verloren.

Frühe Anfänge

Die Braugeschichte Weidens geht Jahrhunderte zurück. Historiker Dr. Sebastian Schott hat die Geschichte der Weidener Brauereien untersucht und spannende Fakten aufgedeckt. Die erste große Brauerei der Stadt war die Stöckelsche, später Kuhnsche Brauerei. Sie ist bis in das 16. Jahrhundert nachweisbar, könnte allerdings sogar noch älter sein. Beheimatet war die Brauerei in der Türlgasse. Das Gebäude, in dem sie sich befand, steht noch heute. 1880 wurde es in das Wirtshaus Hennerloch umgewandelt, das selbst im Jahr 2016 schließen musste.

Ein weiteres bedeutendes Brauhaus war die Ankerbrauerei in der Wörthstraße, die ihren Ursprung im frühen 17. Jahrhundert hat. Diese Brauerei ging aus einem Haus der Weißen Biergesellschaft hervor – einer Vereinigung zweier noch älterer Brauhäuser. Früh in der Weidener Bierbraugeschichte gab es aber noch eine weitere wichtige Institution: die Kommunalbrauer. Mehr als 30 Privatbrauer hatten sich zusammengeschlossen, um im kleinen Stil Bier zu brauen und zu vermarkten. Allerdings hatte Weiden kein offizielles Kommunbrauhaus. Deshalb wurde den Kommunalbrauern Anfang des 20. Jahrhunderts das Brauen gerichtlich verboten.

Mit dem Ende der Kommunbrauereien begann die eigentliche Blütezeit der großen Weidener Brauhäuser. Mit der Eisenbahnanbindung Weidens Mit der Bahnanbindung Weidens in den 1860er Jahren kam es zu einem Bevölkerungsboom.  Die alten Brauereien erlebten einen starken Aufschwung, und viele neue schossen aus dem Boden. Im frühen 20. Jahrhundert hatten die besagten fünf großen Brauhäuser die Bierkrüge Weidens fest im Griff: Das Churpfälzer Hofbräu, die Brauerei Landgraf, Das Bürgerbräu – ursprünglich genannt Aichinger, Das Brauhaus Iblacker und die Brauerei Gambrinus.

Das Ende einer Ära

Doch nach und nach machte gegenseitige und auch äußere Konkurrenz den Brauereien den Garaus. Das erste Brauhaus, das schließen musste, war die Churpfälzer Hofbräu. Sie stellte ihren Betrieb in den späten 1940ern ein. Die Brauerei Landgraf folgte 1979. Das Weidener Bürgerbräu ging im Jahr 1981 unter. Das Brauhaus Iblacker im Jahr 2001. Und nun reiht sich auch die Brauerei Gambrinus in die Liste der verlorenen Brauhäuser ein – das Ende einer langen Braugeschichte, im Jahr 2024.

(sb)

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