50 bis 100 Bäume in einer Stunde können moderne Harvester fällen. Eine beeindruckende Geschwindigkeit, wenn man bedenkt, welch harte und langwierige Arbeit solche Baumfällarbeiten früher waren. Auch wenn Fällarbeiten heute also sehr zeiteffizient sind, dauert es trotzdem eine Weile, bis ein Waldstück durchforstet ist. Deswegen ist der Wald im Naherholungsgebiet der Oberen Wagensass in Sulzbach-Rosenberg aktuell für einige Wochen gesperrt.
Die Bayerischen Staatsforsten führen dort Waldpflegemaßnahmen durch und fällen Bäume. Für Spaziergänger ist der Wald während der Fällarbeiten zu gefährlich. „Innerhalb des Radius des Harvesters ist es natürlich sehr gefährlich, aber auch dort, wo der Harvester gerade gearbeitet hat.“, erklärt Philipp Bahnmüller. Er ist Betriebsleiter des Forstbetriebs Schnaittenbach der Bayerischen Staatsforsten. „Es können immer noch Baumteile oder größere Äste in den Baumkronen hängen, die dann herunterfallen. Das können wir nicht ganz vermeiden. Deswegen halten wir diese Bereiche auch gesperrt.“
Aufbau eines resilienten Klimawaldes
Die Fällarbeiten dienen nicht nur dazu, Holz für den Verkauf zu ernten, sondern auch dazu, den Wald gut für die Zukunft aufzustellen. Die Förster suchen sich ganz bewusst die Bäume aus, die stehenbleiben sollen. „Und solche Bäume, die die ‚guten‘ Bäume bedrängen, entnehmen wir“, so Bahnmüller. ‚Gute‘ Bäume, das sind zum Beispiel Baumarten, die in dem bestimmten Waldstück seltener vorkommen. In der Wagensass stehen vor allem Kiefern und Fichten. Die Förster hätten aber gerne auch Laubbäume für eine gesunde Mischung und achten deswegen besonders darauf, dass junge Laubbäume genug Licht und Platz bekommen.
Alle dreißig Meter eine Rückegasse
Ein Waldstück wird etwa alle sieben Jahre beerntet. Damit dabei nicht jedes Mal der Waldboden geschädigt wird, sind die schweren Harvester nur auf ganz bestimmten Rückegassen unterwegs. „Die Bodenverdichtung ist ein großes Thema“, erklärt Staatsförsterin Charlotte Hornung. „Wenn wir mit der Maschine kreuz und quer durch den Wald fahren würden, würde der Boden überall Schäden erleiden. Dadurch, dass wir auf den Rückegassen bleiben, kann der größte Teil des Bodens unkomprimiert bleiben.“
Der Waldarbeiter im Harvester legt zum Beispiel auch bewusst die abgetrennten Äste und Nadeln auf den Weg vor sich, damit diese nochmal als Polster dienen und den Waldboden zusätzlich schützen. Bestimmte Bäume sind bei den Fällarbeiten übrigens tabu, nämlich sogenannte Biotop-Bäume. Sie sind besonders wertvoll für die Artenvielfalt im Wald, weil sie zum Beispiel Vögeln, Insekten oder Fledermäusen einen Unterschlupf bieten.
Die Arbeiten in der Oberen Wagensass sollen Anfang April abgeschlossen sein. Wenn der Frühling kommt, soll also auch das Naherholungsgebiet wieder für die Sulzbach-Rosenberger zu Verfügung stehen.
(az)