Mi., 29.10.2025 , 16:44 Uhr

Waldsassen

Nordoberpfälzer Wirtschaftstalk: Unternehmer fordern wirtschaftsfreundlichere Politik

Was beschäftigt den Mittelstand in der Nordoberpfalz, und was wünscht er sich von der Politik? Diese Fragen sollte gestern Abend der Wirtschaftstalk in Waldsassen beantworten. Mit dabei: Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Gesellschaft, Politik und Medien müssten wieder wirtschaftsfreundlicher werden – darin waren sich die Teilnehmer des ersten Nordoberpfälzer Wirtschafts-Talks in den Räumen der Waldsassener VR-Bank einig. Vier Unternehmer, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, OTV-Moderator Harald Rippl und Organisator Hubert Schicker diskutierten über die aktuelle Lage der Wirtschaft in der Oberpfalz.

Zu den Teilnehmern zählten Patrick Kutzer, Inhaber des Backhauses Kutzer, Marion Forster, Chefin des Liebensteiner Kartonagewerks, Josef Andritzky vom Bauunternehmen Kassecker sowie Bernhard Wolf, Vorstandssprecher der VR-Bank Nordoberpfalz. Alle berichteten aus unterschiedlichen Branchen – und doch mit ähnlichen Sorgen.

Die ewige Bürokratie

Ein zentrales Thema des Abends: die wachsende Bürokratie. Überbordende Auflagen und Regulierungen lähmen die Betriebe, so der Tenor. Beispielhaft nannte Aiwanger eine übermäßige Regelung bei der Verwendung von Leitern in Betrieben. Demnach müsste immer ein Verantwortlicher – oder Schuldiger – Prüfer vorhanden sein, falls eine Sprosse auf einer Leider bricht. Diese „Versicherungsmentalität“ führe dazu, dass Unternehmer zunehmend mit Papierarbeit statt mit Produktivität beschäftigt seien.

Auch bei den Banken spürt man die Unsicherheit der Wirtschaft. Bernhard Wolf berichtet von großer Vorsicht, geringeren Investitionen und weniger Neugründungen in der Nordoberpfalz. Die vielen Insolvenzen der letzten Jahre würden abschreckend wirken. Laut Daten des Landesamts für Statistik sind die Insolvenzen in Bayern aktuell auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren.

Verständnis und Forderungen

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zeigte Verständnis für die Sorgen der Unternehmer. In vielen Punkten stimmte er den Kritikern zu und wetterte selbst gegen die Politik in Brüssel und Berlin. Aiwanger forderte geringere Steuern, und auch „mehr Netto vom Brutto“ für Arbeitnehmer. Andere Teilnehmer wünschten sich vor allem mehr Verständnis von der Politik. Laut Patrick Kutzer fühle man sich als Unternehmer wie ein „Schwarzes Schaf“, dem willkürlich Umweltsünden, Tierschutzverstöße und mehr vorgehalten würden.

Ein positiver Ton war jedoch von allen Unternehmern zu hören: ihre Heimat in der Oberpfalz, auch wenn die Bedingungen anderswo leichter wären, wollen sie auf keinen Fall verlassen.

(sb)

Bernhard Wolf Diskussion Forderungen Hubert Aiwanger Hubert Schicker Insolvenzen Josef Andritzky Konferenz Marion Forster Mittelstand Oberpfalz Oberpfalz TV OTV Patrick Kutzer Podium Politik Simon Bauer Talk Unternehmen Unternehmer VR-Bank Waldsassen Wirtschaft Wirtschaftsminister

Das könnte Dich auch interessieren

25.11.2025 Markus Blume beim 13. Tirschenreuther Wirtschaftsdialog Mit einem Probierpaket aus der regionalen Wirtschaft – zwei Hemden der Firma Hatico – begrüßt Bürgermeister Franz Stahl den bayerischen Wissenschafts- und Kunstminister Markus Blume beim 13. Tirschenreuther Wirtschaftsdialog. Unternehmer, Politiker und regionale Akteure kommen hier jährlich zusammen, um sich auszutauschen und neue Ideen zu entwickeln. Impulsvorträge kommen vom Bürgermeister und von Markus Blume – 20.02.2026 Mobilität, inklusives Wohnen und Barrierefreiheit – Themen bei der Podiumsdiskussion in leichter Sprache „Ich würde es begrüßen, wenn Sie alle auch unterm Jahr mal in den Werkstätten vorbeischauen und fragen: Was habt ihr für Probleme? Wo fehlt es denn?“ Werkstatträtin Erika Stelzl hatte deutliche Forderungen an die Landratskandidaten im Landkreis Tirschenreuth. Bei einer Podiumsdiskussion in den Stiftlandwerkstätten St. Elisabeth in Mitterteich haben sich fünf der sechs Kandidaten den 04.02.2026 So soll Weiden in Zukunft aussehen: Podiumsdiskussion der OB-Kandidaten SPD – Linke – Grüne – CSU – Bürgerliste – FDP: In dieser Reihenfolge standen sechs Weidener Oberbürgermeisterkandidaten gestern auf der Bühne. Nur die AfD mit ihrem Kandidaten Ferdinand Adam hatte abgesagt. Eingeladen hatte Oberpfalz Medien. Das Ziel: Die Bewerber um den OB-Posten inhaltlich und persönlich alle auf einmal vorstellen. Die Weidener Finanz-Sorgen Im Mittelpunkt 27.11.2025 Haushaltsstreit in Weiden: Gewerbesteuer gewinnt gegen Realschule In Weiden haben die Diskussionen rund um den Haushalt für das Jahr 2026 begonnen, und gleich zu Beginn spitzen sie sich zu. Obwohl der Haushalt der Stadt bereits unter strenger Beobachtung der Regierung der Oberpfalz steht und ein Defizit von rund 5,5 Millionen Euro klafft, bleibt eine Lösung vorerst aus – der erste Haushaltsentwurf für