Die Entscheidung über den Chefsessel im Schwandorfer Rathaus ist vertagt – und könnte kaum spannender sein. Oberbürgermeister Andreas Feller hat die erste Runde der Oberbürgermeisterwahl mit 35,3 Prozent klar gewonnen, doch für eine direkte Wiederwahl reicht das nicht. Nun kommt es zur Stichwahl – ausgerechnet gegen den Kandidaten der CSU, Andreas Wopperer.
Ein Duell zwischen Parteikollegen
Zum Hintergrund: Feller selbst ist CSU-Mitglied. Nachdem ihn seine Kollegen nicht erneut als Oberbürgermeisterkandidaten nominiert hatten, trat er kurzerhand mit einer neu gegründeten Gruppierung an, der Bürgerliste Schwandorf – ein politisches Experiment mit völlig offenem Ausgang. Dass er nun als klarer Erstplatzierter in die Stichwahl geht, das war vorher alles andere als sicher.
Andreas Wopperer hingegen schafft es nur gerade so in die Stichwahl. Mit 17,6 Prozent der Stimmen liegt er nur 0,4 Prozent vor Kurt Mieschala von den Unabhängigen Wählern – keine ideale Ausgangsposition für die Stichwahl. Trotz der politischen Rivalität zeigen sich die beiden Kandidaten freundschaftlich. Direkt nach der vollständigen Auszählung treffen sie sich auf dem Marktplatz für ein gemeinsames Foto. Ein symbolischer Handschlag bleibt allerdings trotz Wunsch der Fotografen aus.
Gemischte Stimmung bei den Wahlpartys
Während bei Feller und seinem Team Erleichterung herrscht, fällt die Stimmung bei vielen anderen Parteien deutlich verhaltener aus. Wenig euphorisch verläuft der Wahlabend für die SPD: Die Partei, die noch 2008 mit absoluter Mehrheit den Oberbürgermeister stellte, landet diesmal mit weniger als zehn Prozent weit abgeschlagen.
Einen kleinen Erfolg kann hingegen die Linke verbuchen. Zwar erreicht ihr OB-Kandidat Tobias Mainka nur 1,7 Prozent der Stimmen, doch in der Stadtratswahl kann er als erster Vertreter der Linken in den Schwandorfer Stadtrat einziehen.
Für die Wähler in Schwandorf bedeutet das Ergebnis nun eine zweite Runde. In der Stichwahl beginnt das Rennen formal wieder bei null. Amtsinhaber Feller gibt sich trotz seines starken Ergebnisses entsprechend zurückhaltend. Spätestens in Wochen wird feststehen, ob er seinen Chefsessel behält, oder ob der Ablöse-Plan der CSU doch noch aufgeht.
(sb)