Juni 2018: Mit diesem Schnitt weiht Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny das Neubaugebiet am Drillingsfeld ein – mit 87 Parzellen auf 48.000 Quadratmetern. Heute sieht es hier so aus: Moderne Einfamilienhäuser haben hier den Traum vom Eigenheim für viele junge Menschen erfüllt. 2018, das war vor Corona. Das war vor den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten. Und das war in einer Zeit, als der Leitzins noch bei null Prozent lag und Geld quasi nichts kostete. Sich also der Traum vom Eigenheim via Finanzierung über Kredite umsetzen hat lassen.
Das ist heute schwieriger. Jürgen Pörner ist als Baufinanzierungsberater der Sparkasse Amberg-Sulzbach auf der Oberpfälzer Baumesse im ACC. Er sagt: Neubauten sind nur noch für Menschen machbar, die auch einen Batzen Eigenfinanzierung mitbringen.
Die offiziellen Zahlen: Für rund 9700 Wohnungen in Amberg müssen Mieter keine Miete zahlen – weil sie ihnen selbst gehören, von der Eigentumswohnung bis zum Einfamilienhaus. Die Wohneigentumsquote liegt damit bei 40 Prozent. Gerade für 25- bis 40-Jährige ist dieses Lebensmodell ein Auslaufmodell. Zahlen, die auch Erich Schober bestätigt. Um 90 Prozent sei sein Geschäft mit Neubauten eingebrochen. Er fokussiert sich längst auf Sanierungen.
Werden Umweltstandards zurückgeschraubt?
Bei Leipfinger Bader mussten die Mitarbeiter sogar übergangsweise in Kurzarbeit. Rund 400 Arbeitnehmer stehen beim Ziegelbauer mit einer Niederlassung in Schönlind im Landkreis Schwandorf in Lohn und Brot.
Bauen wird immer teurer. Vor allem Materialkosten steigen – wegen höheren Nachhaltigkeitsansprüchen, sagen uns viele. Bayerns Heimat- und Finanzminister Albert Füracker eröffnete die Baumesse in Amberg und kennt die Problematik. Künftig müsse man hier und da vielleicht nur noch 95 Prozent statt 103 Prozent geben.
Viele Aussteller würden sich mehr Unterstützung von der Politik wünschen. Gerade der Sanierungszweig wird für die Baubranche eine immer wichtigere Säule. Dafür brauche es Innovationen und Flexibilität, sagen uns Aussteller. Der Traum vom Eigenheim lebt also, wenn auch vielleicht auf etwas andere Art und Weise als im Juni 2018.
(mz)