Siegfried Welsch besucht seine Mutter im Pflegeheim Wallmenich-Haus in Amberg. Im Gespräch erzählt er, dass ihm die steigenden Pflegekosten große Sorgen bereiten. Als seine Mutter ins Pflegeheim kam, rechnete Siegfried Welsch noch mit deutlich geringeren Kosten. Doch dann das böse Erwachen: Die Eigenbeteiligung liegt bei mehr als 3.000 Euro im Monat. Zwar zahlt es seine Mutter aktuell von Rente und Erspartem – doch die Rücklagen schwinden. Dieses Problem haben viele: Rund ein Drittel der Pflegeheimbewohner ist auf „Hilfe zur Pflege“ vom Sozialamt angewiesen. Gleichzeitig gerät auch die gesetzliche Pflegeversicherung finanziell unter Druck. Das geplante Pflegeneuordnungsgesetz ab 2027 soll die Finanzierung stabilisieren.
Kritik am neuen Pflegegesetz
Tatjana Richter, Vorsitzende der Schwesternschaft Wallmenich-Haus, befürchtet jedoch Nachteile. Künftig könnten Pflegegrade schwerer zu erhalten sein und Leistungen wegfallen. Das neue Entlastungsbudget sei nicht mit den bisherigen Leistungen vergleichbar.
Heimplätze werden immer teurer
Die Eigenbeteiligung für einen Pflegeheimplatz ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – von rund 1.800 Euro pro Monat im Jahr 2016 auf heute bis zu 3.800 Euro. Gründe seien höhere Personal-, Energie-, Lebensmittel- und Versicherungskosten. Für Bewohner und Angehörige bedeute das eine enorme finanzielle Belastung.
Ministerium verweist auf den Bund
Das bayerische Gesundheitsministerium sieht den Bund in der Verantwortung. Gesundheitsministerin Judith Gerlach äußerte sich gegenüber der Deutschen Presse Agentur:
„Zu einer ausgewogenen Verteilung der steigenden Kostenlast gehört, dass versicherungsfremde Leistungen durch Steuermittel des Bundes finanziert werden – dies gilt neben den Beiträgen für die Rentenversicherung pflegender Angehörige auch für die Kosten der Corona-Pandemie. Es kann nicht sein, dass sich der Bundesfinanzminister hier weiter verweigert.“
Wunsch nach mehr Austausch
Siegfried Welsch hofft, dass Politiker häufiger direkt mit Bewohnern, Angehörigen und Pflegekräften in den Pflegeheimen ins Gespräch kommen. Nur so könnten praxistaugliche Lösungen gefunden und Zukunftsängste abgebaut werden.
(kw)