Wer auf der Suche nach einem Privatkredit ist, stellt schnell fest, dass die Angebote nicht einheitlich sind, sondern sich die Zinsen, die Banken für die Kreditvergabe verlangen, unterscheiden. Das gilt nicht nur für unterschiedliche Banken, sondern auch für einzelne Sparkassen-Filialen. So kann es zu teils erheblichen Unterschieden kommen, die sich deutlich in den Angeboten von Sparkassen in den alten und neuen Bundesländern zeigen.
Was sind die Gründe dafür, wie genau beeinflussen die Zinsen die Kreditkosten und wie finden Verbraucher tatsächlich den für sie günstigsten Kredit?
Darum sind Sparkassen-Konditionen in Deutschland nicht einheitlich
Grundsätzlich sind Banken und somit auch alle Sparkassen rechtlich und wirtschaftlich eigenständige Institute, die ihre Kostenstrukturen und somit auch die Kreditkonditionen eigenständig festlegen können. Somit sind regionale Unterschiede völlig normal, da jede Filiale eine eigene Geschäftspolitik verfolgt, die von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird. Dazu zählen insbesondere:
Diese und andere Gründe führen also dazu, dass Sparkassen generell unterschiedliche Konditionen anbieten, wenn Verbraucher einen privaten Kredit aufnehmen wollen.
Regionale Unterschiede bei Sparkassen deutlich sichtbar
Durchschnittlich 10,55 Prozent Effektivzinsen pro Jahr bei einer Spanne von 4,99 (Kreissparkasse Ahrweiler) bis 13,84 Prozent pro Jahr (z. B. Sparkasse Koblenz) zahlen Kreditnehmer der Sparkassen in Rheinland-Pfalz auf neue Privatkredite. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Redaktion des Fachportals Kreditvergleich.net durchgeführte Studie, in welcher die Zweidrittelzinsen aller Sparkassen ausgewertet wurden.
Zweidrittelzinsen sind übrigens die Zinsen, die mindestens zwei Drittel aller Kreditnehmer tatsächlich entrichten müssen, weshalb sie wesentlich aussagekräftiger sind als etwa die als Schaufensterzinsen bekannten Mindest-Sollzinsen, mit denen die Kreditinstitute gerne werben. Im Vergleich zu den durchschnittlichen 2/3-Zinsen aller von der Redaktion ausgewerteten Banken und Vermittler abseits der Sparkassen sind diese im Durchschnitt 41,4 Prozent teurer und im Vergleich zum Bundesdurchschnitt aller Sparkassen liegen die 2/3-Zinsen 8,26 Prozent niedriger.
Beim Vergleich der einzelnen Bundesländer ist auch eine deutliche Ost-West-Divergenz zu beobachten: Die fünf günstigsten Bundesländer sind allesamt ostdeutsch bzw. ostlastig (Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, MV). Thüringen liegt nur knapp über dem Bundesschnitt. West- und süddeutsche Flächenländer (Hessen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Niedersachsen, NRW, Bayern) liegen durchweg über dem Sparkassen-Durchschnitt. Die Spannen innerhalb der einzelnen Bundesländer sind oft groß (viele Minima bei 4,5–7 Prozent, viele Maxima bei 13,84 Prozent). Sachsen hat das niedrigste Minimum (4,46 Prozent bei Kreissparkasse Döbeln), Baden-Württemberg das höchste Maximum (14,75 Prozent bei Sparkasse Lörrach-Rheinfelden).
Warum Kreditkonditionen individuell variieren
Unabhängig davon, welche Zinssätze eine Sparkasse angibt, sagt das nur bedingt etwas über die tatsächlichen Kosten eines Kredits aus, denn hier müssen individuelle Faktoren berücksichtigt werden, hauptsächlich die sogenannte Bonität – die Kreditwürdigkeit eines Kreditnehmers. Diese bemisst sich an individuellen persönlichen und finanziellen Merkmalen des Kreditnehmers wie der Einkommens- und Beschäftigungssituation, etwaiger bestehender Verschuldung oder auch der bisherigen Zahlungshistorie.
Darüber hinaus spielen auch die gewählte Kreditsumme und die Laufzeit eine Rolle, etwaige Sicherheiten sowie eine individuelle Risikoeinschätzung der Bank bzw. Sparkasse. So kann es also durchaus sein, dass zwei verschiedene Kreditnehmer denselben Kredit mit gleicher Laufzeit zu unterschiedlichen Zinssätzen erhalten.
Worauf es bei einem Privatkredit wirklich ankommt
Wer sich nicht genau mit der Materie auskennt, kann leicht verwirrt werden, denn Zinssatz ist, wie bereits erwähnt, nicht gleich Zinssatz. Um Klarheit in die Welt der Kreditangebote zu bringen, lohnt sich, ein genauer Blick auf die verschiedenen Zinssätze:
Als Lockzinsen bezeichnet man die Top-Zinsen, die Banken gezielt zu Werbezwecken einsetzen und besonders niedrig sind. Allerdings gelten diese Zinsen zum einen nur für Kunden mit sehr guter Bonität, zum anderen gelten sie oft nur einen gewissen Zeitraum, etwa 6 oder 12 Monate, bis die Zinsen auf ein normales Niveau angehoben werden. Für die allermeisten Kunden liegt der tatsächliche Zinssatz viel höher.
Der Sollzins, auch Nominalzins genannt, gibt an, wie hoch der reine Zinssatz auf den Kreditbetrag ist. Das ist schon ehrlicher als die Lockzinsen, allerdings nach wie vor maximal die halbe Wahrheit, denn der Sollzins beinhaltet weder Gebühren, noch sonstige Kosten, die für den Kredit anfallen können.
Der wichtigste Vergleichswert für Kreditzinsen ist der effektive Jahreszins. Er enthält den Sollzins, die regelmäßigen Kosten des Kredits sowie die rechnerische Gesamtbelastung pro Jahr. Der effektive Jahreszins ist gesetzlich standardisiert und ermöglicht es somit, verschiedene Angebote untereinander zu vergleichen.
Als Zweidrittelzinsen bezeichnet man, wie bereits erwähnt, die Zinsen, die etwa zwei Drittel aller Kreditnehmer tatsächlich entrichten müssen. Es ist also kein garantierter Zinssatz, wie der effektive Jahreszins, sondern ein statistischer Wert, der angibt, zu welchen Konditionen Kreditnehmer den Kredit durchschnittlich aufnehmen.
Fazit
Wer einen Privatkredit aufnimmt und dabei möglichst nicht mehr zu bezahlen, als nötig, kommt an einem genauen Vergleich der einzelnen Angebote nicht herum. Unter Umständen kann es sich lohnen, die eigene Bonität vor der Kreditaufnahme aktiv zu verbessern, um attraktivere Konditionen zu erhalten. Eine möglichst realistische Einschätzung der eigenen finanziellen Situation ist unabdingbar, um Angebote sinnvoll vergleichen zu können und eine tragfähige Finanzierung zu gewährleisten.
(exb)