Mit Präzision, High-Tech und viel Erfahrung entsteht in Amberg moderne Militärtechnologie – vor allem Sitze und Innenausstattung für gepanzerte Fahrzeuge. Das Unternehmen Probatec hat sich darauf spezialisiert, Panzer und Militärfahrzeuge aller Art auszurüsten. Es liefert Ersatzteile für ältere Modelle, die unter anderem in der Ukraine im Einsatz sind, und stattet moderne Fahrzeuge wie den Radpanzer Boxer oder den Schützenpanzer Puma aus. Für Gründer Stephan Kopp ist das heute ein florierendes Geschäft, das stetig wächst.
Der Erfolg von Probatec steht stellvertretend für eine gesamte Branche, die seit Beginn des Ukrainekriegs einen massiven Aufschwung erlebt. Weltweit – besonders in Europa – steigen die Verteidigungsausgaben deutlich. Auch Unternehmen in der Oberpfalz profitieren von den Sondervermögen der Bundesregierung und der gestiegenen Nachfrage nach militärischer Ausrüstung. Vertreter der regionalen Wirtschaft betonen, dass viele Firmen in der Region als spezialisierte Zulieferer agieren: Sie entwickeln Maschinen, Elektronik, Baustoffe oder – wie im Fall von Probatec – sogar Toilettensitze für Militärfahrzeuge. Waffen- oder Munitionshersteller gibt es in der Oberpfalz hingegen nicht.
Trotzdem bleibt die öffentliche Meinung zur Rüstungsindustrie gespalten. Laut aktuellen Daten hält fast die Hälfte der Deutschen Investitionen in diesen Bereich für moralisch problematisch. Für Stephan Kopp ist die Zusammenarbeit mit westlichen Panzerherstellern jedoch unbedenklich. Er betont, dass sein Unternehmen ausschließlich westliche Partner beliefert und damit klar positioniert ist.
Der anhaltende Rüstungsboom sorgt dafür, dass etablierte Unternehmen ihre Kapazitäten stark ausbauen können. Probatec errichtet derzeit einen neuen Standort in Sulzbach, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Gleichzeitig entstehen laut IHK zahlreiche Start-ups, die von der neuen geopolitischen Lage profitieren. Denn neben finanziellen Mitteln bringt die aktuelle Situation vor allem eines: langfristige Planungssicherheit für die Branche.
Eines zeigt sich dabei deutlich: Kriege bedeuten Leid und Unsicherheit – doch ihre wirtschaftlichen Auswirkungen reichen weit über die Konfliktregionen hinaus und prägen auch die industrielle Entwicklung in Deutschland.
(sb)