Do., 27.02.2020 , 11:27 Uhr

Schmidmühlen: Traditioneller Fischzug

Mit dem Aschermittwoch beginnt im Christentum traditionell die vierzigtägige Fastenzeit. Und auch in Schmidmühlen im Landkreis Amberg-Sulzbach gibt es eine Tradition, die die Fastenzeit einläutet: Den Schmidmühlener Fischzug. Dieser beendet die fünfte Jahreszeit und eröffnet die Fastenzeit. 73 Männer mit schwarzem Frack und Zylinder sind am Aschermittwoch in einer Reihe durch die Straßen von Schmidmühlen gezogen.

Eine Tradition, die das Bier retten sollte. Vor 200 Jahren war die Kühltechnik noch nicht so ausgereift und viele Lebensmittel sind über die Fastenzeit verdorben. In Schmidmühlen wurde deshalb ein Brauch entwickelt. Damit das Bier über die lange Fastenperiode nicht schlecht wird, haben sich die Männer damals immer am Aschermittwoch versammelt, um von Brauhaus zu Brauhaus zu pilgern und die Biervorräte auszutrinken.

Bei dem Fußmarsch von Wirt zu Wirt muss Einiges beachtet werden. Besonders wichtig ist die Schweigepflicht. Immerhin handelt es sich hier ja auch um einen Trauerzug. Auch muss eine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden. So wird der Zug von den Laternenträgern angeführt. Gefolgt vom Faschingsprinz, dem Zeremonienmeister und dem Bürgermeister. Dann folgen die Brot- und Fischmeister und der Geldeintreiber. Erst jetzt dürfen sich alle anderen Teilnehmer einreihen. Am Ende des Zugs wird eine rote Laterne getragen.

Rund 450 Liter Bier fließen durchschnittlich bei einem Fischzug. Beendet wird er in den späten Abendstunden mit dem sogenannten „Geldbeuteleingraben“. Hierfür versammeln sich die Männer, die alle Wirtshäuser überstanden haben vor dem Kirwabaumloch und vergraben einen Geldbeutel. Dabei wird vom Zeremonienmeister die Grablitanei gesprochen und um die Erlösung der Steuern gebeten. Wenn auch das geschafft ist, geht es für den Saufzug ein letztes mal in die Gastwirtschaft, um noch einen letzten Leichtrunk zu sich zu nehmen.

(sth)

Brauchtum Fasching Fischzug Frack und Zylinder Männer Oberpfalz Oberpfalz TV OTV Schmidmühlen Schweigen Stefanie Hense Tradition Wirtshäuser

Das könnte Dich auch interessieren

19.02.2026 Brauchtum: Fischzug schlängelt sich durch Sulzbach-Rosenberg Der Fischzug steuerte in diesem Jahr 6 Gaststätten und Cafés an, wo gesprochen und getrunken werden durfte. Während des Marschs zu diesen Stationen ist das Sprechen aber strengstens verboten. Verstößt einer gegen diese Regel, dann muss er Strafe zahlen. In diesem Fall ist es aber eine Strafe für den guten Zweck. Das Geld, das so 13.01.2026 703 Jahre Kastler Recht – eine lebendige Tradition Im Jahr 1323 verlieh Kaiser Ludwig der Bayern dem Markt Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach das Marktrecht – ein Brauch, der bis heute lebendig ist. Jedes Jahr nutzen die Marktbewohner dieses historische Ereignis als Anlass zum Feiern. Der Kulturverein „Kulturkastl“ bringt dafür ein kurzes Sketchstück auf den Marktplatz, das weniger die Geschichte als aktuelle Themen aufgreift. 16.02.2026 Faschingszug in Vilseck Feierstimmung in Vilseck. Ein Faschingszug bestehend aus fünf Prinzengarden aus Vilseck, Haselmühl, Kohlberg, Michelfeld und Neukirchen sowie vier Kindergarden aus Vilseck, Freudenberg, Hischau und Seugast ist durch die Ortschaft gezogen. Festwägen und Fußgruppen sorgten für gute Laune und hatten jede Menge Süßigkeiten für Kinder dabei. Die Vilsecker Unternehmen und Einzelhändlern haben den Faschingszug unterstützt. (lb 13.11.2025 Oberpfälzer Heimatspiegel feiert 50-jähriges Jubiläum – Vorstellung im Stadtarchiv Amberg Vorstellung des Oberpfälzer Heimatspiegels 2026 im Stadtarchiv Amberg. Der Oberpfälzer Heimatspiegel ist ein jährlich erscheinender Jahresband für die Oberpfalz mit Beiträgen zu Geschichte, Brauchtum, Natur, Mundart und Leben vor Ort. 2026 erscheint zum 50. Jubiläum des Heimatspiegels eine Jubiläumsausgabe mit mehr Inhalt. So sind es in dieser Ausgabe 230 Seiten mit 62 Beiträgen, damit rund