Sie riskierten ihr Leben, um verbotene Zeitungen nach Bayern zu schmuggeln, wurden von den Nationalsozialisten verfolgt und ins Konzentrationslager gebracht. An den Mut der Brüder Franz und Josef Mörtl aus Weiden sowie weiterer sozialdemokratischer Widerstandskämpfer erinnerte der Regensburger Journalist Thomas Muggenthaler jetzt mit einem Vortrag im Schwandorfer Metropol.
Widerstand trotz Lebensgefahr
Unter dem Titel „Der Literaturschmuggel – Sozialdemokratischer Widerstand in Ostbayern“ erzählte Muggenthaler die Geschichte von Menschen, die sich schon früh gegen das NS-Regime stellten. Franz und Josef Mörtl schmuggelten bereits in jungen Jahren sozialdemokratische Zeitungen aus der damaligen Tschechoslowakei nach Ostbayern – ein lebensgefährliches Unterfangen.
Beide Brüder wurden schließlich verhaftet. Ihr Vater starb im Konzentrationslager Dachau, auch Franz und Josef wurden dort inhaftiert, bevor sie später zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Josef Mörtl lief schließlich zu griechischen Partisanen über und korrigierte für sie Flugblätter. Sein Bruder Franz geriet in Nordafrika in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg prägten beide ihre Heimat auf eine ganz andere Weise: Josef Mörtl wurde 1946 Polizeichef in Weiden und blieb es bis zu seiner Pensionierung, Franz Mörtl wirkte als Stadtkämmerer in Regensburg.
Muggenthaler hatte die Brüder noch persönlich kennengelernt. In seinen Vortrag ließ er deshalb auch originale Tonaufnahmen aus den Interviews mit ihnen einfließen und machte ihre Erlebnisse für das Publikum unmittelbar erfahrbar.
Eingeladen war Muggenthaler von der SPD, anlässlich des 120-jährigen Jubiläums ihres Schwandorfer Stadtverbandes. Unter den Zuhörern im ehemaligen Kinosaal befanden sich zahlreiche SPD-Mitglieder und langjährige Parteigrößen wie Hans Schuierer, aber auch viele historisch interessierte Bürger. Viele der Menschen, deren Geschichten Muggenthaler erzählt, hatten für die SPD gewirkt. Die Verbundenheit der heutigen SPDler mit den Taten ihrer Vorreiter war spürbar. Wegen Geschichten wie diesen, so Ex-Landtagsabgeordneter Franz Schindler, sei er der SPD nach wie vor treu.
(sb)