Lisa Hartinger von der SPD unterlag in Kümmersbruck in der Stichwahl knapp – rund 41 zu 59 Prozent – der CSU-Kandidatin Elisabeth Gruber. In der konstituierenden Sitzung scheiterte Hartinger erneut: Sie hatte gehofft, zur dritten Bürgermeisterin gewählt zu werden, doch alle Stellvertreterposten gingen an die CSU. Hartinger sagte anschließend, sie finde das enttäuschend, zumal ihre Fraktion bei der Wahl zum zweiten Bürgermeister, der CSU, entgegengekommen sei.
In der Gemeinde blieb die Kritik nicht aus. Bürger äußerten sich in Leserbriefen unzufrieden über die Wahl der Stellvertretungen – ähnlich wie in Schnaittenbach. Gruber wiederum betonte, die Abstimmungen seien korrekt und demokratisch verlaufen. Sie verwies darauf, dass Martin Meier bewusst einen hinteren Listenplatz gewählt habe und dennoch in den Gemeinderat eingezogen sei; umso mehr freue sie sich, dass er nun das Amt des dritten Bürgermeisters übernehme.
Auch in Amberg zeigte sich ein ähnliches Muster – nur mit vertauschten Rollen. Dort verlor die CSU nach jahrzehntelanger Dominanz den Oberbürgermeisterposten an Michael Fritz von den Freien Wählern. Schon zuvor hatten Stadtratsmitglieder der Union vorgeworfen, andere Fraktionen aus Entscheidungen herauszuhalten. In der konstituierenden Sitzung stimmten die übrigen Parteien dann häufig geschlossen gegen die CSU, sowohl bei Stellvertretungen als auch bei Ausschusssitzen – ein politisches „Uno-Reverse“. Die Junge Union ging ebenfalls leer aus. Ihr Kreisvorsitzender Florian Füger erklärte gegenüber der Presse, er hätte vom neuen Oberbürgermeister mehr erwartet, zumal dieser Polizist sei, aber dennoch eher mit Gruppen zusammenarbeite, die der Polizei kritisch gegenüberstehen, statt mit der Jungen Union aus der politischen „Mitte“.
Dass Parteien strategisch handeln, um Einfluss zu sichern, gehört zum politischen Alltag. Hartinger verwies darauf, dass in Kümmersbruck andere Fraktionen gemeinsam Mehrheiten bilden könnten, wenn einmal ein CSU-Mitglied fehle – daher habe es die Hoffnung auf ein Entgegenkommen beim dritten Bürgermeisterposten gegeben. Am Ende, darin waren sich alle Beteiligten einig, müsse es jedoch darum gehen, Entscheidungen unparteiisch und im Interesse der Kommune zu treffen.
(ls)