Als der evangelische Landesbischof Christian Kopp in der Michaelskirche in Weiden sprach, waren die Bänke gut gefüllt. Katholiken wie Protestanten hatten sich versammelt, um dem Bischof zuzuhören. Für Kopp ist Weiden Teil einer größeren Reise: Er ist derzeit im neu geschaffenen Dekanatsbezirk „Eins“ unterwegs – dem größten Dekanat Bayerns, das sich von Tirschenreuth über Sulzbach-Rosenberg bis in den Bayerischen Wald erstreckt.
Die Kirche vor Herausforderungen
Im Anschluss an den Gottesdienst wurde beim Empfang im Alten Rathaus dann über die ernsten Herausforderungen gesprochen, vor denen die evangelische Kirche steht. Der Zusammenschluss der Dekanate Cham, Sulzbach-Rosenberg und Weiden zum neuen Dekanat Eins liegt erst rund eineinhalb Jahre zurück – und ist eine Reaktion auf den massiven Mitgliederschwund. Jährlich treten in Deutschland mehrere Hunderttausend Menschen aus der evangelischen Kirche aus. Setzt sich diese Entwicklung fort, könnte die Kirche innerhalb der nächsten zehn Jahre fast die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren. Sinkende Kirchensteuereinnahmen zwingen zu tiefgreifenden Veränderungen.
Die Rolle des Riesendekanats
Das Dekanat Eins soll dabei helfen, Ressourcen zu bündeln und Strukturen effizienter zu gestalten. Für Christian Kopp könnte dieses Modell wegweisend für andere Regionen sein. Gleichzeitig bringt das „Riesendekanat“ neue Herausforderungen mit sich: Die großen Entfernungen lassen sich schwer bewältigen. Deshalb wird das Dekanat von zwei Dekanen geleitet – Thomas Guba im Norden und Ulrike Dittmar im Süden.
Von seinem Besuch in Weiden nimmt der Landesbischof nun Ideen und Impulse mit nach München. Auf seiner ganzen Tour möchte er mit den Menschen vor Ort sprechen und sich deren Ideen anhören. Die Zukunft der evangelischen Kirche ist ungewiss – aber Kopp ist sich sicher, sie geht gut weiter, sicher auch mit den Ideen aus der Oberpfalz.
(sb)