Fr., 30.01.2026 , 16:35 Uhr

Weiden / Amberg

Oberpfälzer reagieren auf Krankschreibungs-Aussage von Kanzler Merz

Sind die Deutschen zu viel krankgeschrieben? Eine Diskussion um diese Frage hat Bundeskanzler Merz ausgelöst. Wie sich die Krankheitstage entwickelt haben und was die Meinung der Oberpfälzer dazu ist – wir haben uns umgehört.

Äußerungen zum „Stadtbild“, zu den „Töchtern“ oder zu „kleinen Paschas“. Immer wieder tritt Bundeskanzler Friedrich Merz mit einzelnen Formulierungen große bundesweite Debatten los. Nun hat Merz die Zahl der Krankentage kommentiert und damit wieder Diskussionen ausgelöst: Sind die Deutschen zu viel krank – oder machen sie einfach zu viel krank? Wörtlich sagte er Mitte Januar: „14,5 Tage. Das sind fast drei Wochen, in denen die Menschen in Deutschland aus Krankheitsgründen nicht arbeiten. Ist das wirklich richtig? Ist das wirklich notwendig?“

„Ich glaube schon, dass man da differenzieren sollte. So allgemeine Sätze halte ich nicht für sinnvoll“, erzählt uns eine Passantin in der Amberger Altstadt. Es gebe sicher immer Menschen, die bestimmte Regelungen ausnutzen würden, und es gebe Menschen, die verantwortlich damit umgehen.

„Ich selber bin Lehrerin und ich bin da Virenlast hoch zehn ausgesetzt“, so die Meinung einer weiteren Ambergerin. „Ich finde es ein bisschen übertrieben. Denn Merz unterstellt ja indirekt, dass die Leute nicht wirklich krank sind, sondern einfach so zuhause bleiben“. Und eine dritte Passantin bringt es gegenüber OTV so auf den Punkt: „Wenn ich krank bin, bin ich krank“.

Diese Menschen in Amberg stimmen dem Kanzler also nicht wirklich zu. Und auch Jürgen Spickenreuther, Direktor der AOK Nordoberpfalz, sieht die Diskussion kritisch. Es stimme zwar, dass wir unsere wirtschaftliche Leistung wieder steigern müssten, so Spickenreuther. Aber da bei den Kranken anzusetzen, sei der falsche Weg. „Der Eindruck, der da zum Teil vermittelt wird, die Leute würden sich einfach krankschreiben lassen… Nein!“, so die Meinung von Spickenreuther. „Die Patienten gehen verantwortungsvoll damit um. Die Ärzte gehen verantwortungsvoll damit um.“

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen Anstieg

Friedrich Merz hat sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes bezogen. Demnach waren die Deutschen 2024 14,8 Werktage krank. Einen besonders großen Sprung nach oben gab es im Jahr 2022. Der ist darauf zurückzuführen, dass die elektronische Krankschreibung eingeführt wurde. Das heißt, ab 2022 wurden die Zahlen verlässlicher erfasst. Aber so oder so sind die Krankheitstage in den vergangenen 20 Jahren gestiegen.

Lassen sich die Menschen heute schneller krankschreiben als früher? Die Einschätzung von Hausarzt Dr. Matthias Loew: „Ja – Gott sei Dank!“ Es sei seine Hoffnung gewesen, dass diese Lehre aus der Corona-Zeit übrigbleibt. „Abstand schützt vor Ansteckung. Und dazu gehört eben auch, aus der Arbeit fern zu bleiben, wenn ich dort andere anstecken kann“, so Loew.

Die telefonische Krankschreibung sei zu Corona-Zeiten ein „absoluter Segen“ gewesen, so der Arzt. Und auch heute sei sie nach wie vor sinnvoll, damit weniger ansteckende Patienten in die Praxis kommen müssen. Nach Angaben des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung machen telefonische Krankschreibungen bundesweit außerdem nur 0,9 Prozent aller Fälle aus – der Grund für die steigenden Krankschreibungen können sie also nicht sein.

Aktuelle Influenza- und RSV-Welle hoch

Wie viele Erreger aktuell im Umlauf sind, zeigt das Abwassermonitoring des Freistaates Bayern. Die Covid-Welle ist zwar schon wieder am Abklingen, aber bei Influenza und RSV ist die Virusaktivität aktuell sehr hoch – kein Wunder also, dass viele Menschen krank sind.

Wie aber können wir die wirtschaftliche Leistung im Land denn nun wieder steigern? „Das ist natürlich eher eine sozialpolitische oder eine arbeitspolitische Frage“, so die Meinung von Dr. Loew. Da müsste man über Themen wie Arbeitsschutz, Taktung, Stress, psychische Erkrankungen oder Schichtarbeit reden. „Da verlassen wir den Bereich der Medizin.“ Mehr Prävention, damit die Leute gar nicht so viel krank werden, das wünscht sich auch AOK-Direktor Jürgen Spickenreuther.

(az)

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