Er wirkt gewaltig, fast unaufhaltsam: Der Kampfpanzer Leopard 2 ist auch Jahrzehnte nach seiner Einführung noch immer eine beeindruckende Maschine. Mit donnerndem Motor und einer dichten Staubwolke setzt er sich in Bewegung – ein Sinnbild moderner Landstreitkräfte und zugleich ein System, das trotz zahlreicher Modernisierungen auf eine lange Geschichte zurückblickt.
Marschübung in Pfreimd
Auf dem Truppenübungsplatz in Pfreimd bereiten sich zwei Besatzungen auf ihren Übungstag vor. Vor ihnen liegt eine Marschübung, der simulierte Aufbruch ins Gefechtsgebiet. Bevor es losgeht, steht jedoch der Technische Dienst an: Kettenspannung, Ölstand und zahlreiche weitere Details müssen stimmen. Denn nur wenn Mensch und Material einwandfrei funktionieren, kann der Panzer seine volle Leistung entfalten.
Nach den Checks rollen die Fahrzeuge auf das Gelände. Mit bis zu 60 km/h bewegt sich der Leopard 2A7V, angetrieben von einem 1.500 PS-starken V-12-Dieselmotor. Die Steuerung ähnelt der eines Autos mit Automatikgetriebe – der Fahrer kann selbst schalten, wenn er möchte. Kraftfahrer Thomas erzählt uns aber: der Panzer macht das ohnehin besser. Ein großer Unterschied zum Straßenverkehr – der Leopard kann sich auf der Stelle um 360 Grad drehen.
Feuerkraft und Verantwortung
Seine größte Stärke zeigt der Leopard wohl in seiner Feuerkraft. Die Hauptaufgabe des Panzerbataillons 104 ist die Bekämpfung feindlicher Panzertruppen. Entsprechend durchschlagskräftig ist die Bewaffnung: Die mehr als sechseinhalb Meter lange Glattrohrkanone verschießt sowohl kinetische Munition zur Panzerbekämpfung als auch hochexplosive Geschosse gegen andere Ziele. Jedes Projektil wiegt über 20 Kilogramm und muss in wenigen Sekunden nachgeladen werden – eine körperlich anspruchsvolle Aufgabe, die dem Ladeschützen nach einem langen Übungstag spürbar in den Muskeln steckt.
Neben dem Nachladen der Hauptwaffe bedient der Ladeschütze auch das Maschinengewehr auf dem Dach. Für die Hauptkanone selbst ist der Richtschütze zuständig. Er muss Ziele in bis zu fünf Kilometern Entfernung erfassen und bekämpfen können. Während der Fahrt behält er zudem das Gelände im Blick. Die Übung macht deutlich: Nur durch reibungslose Zusammenarbeit der vier Besatzungsmitglieder kann der Panzer seine Wirkung entfalten.
Den Überblick behält der Kommandant. Mit seiner Luke ganz oben im Turm und mehreren Rundumsichtgeräten hat er zwar den vermeintlich bequemsten Platz, trägt jedoch die größte Verantwortung. Er koordiniert die Besatzung, hält Funkkontakt und trifft Entscheidungen, die im Ernstfall über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
In die Jahre gekommen?
Am Ende des Marschs erreichen die Panzer ihr Einsatzgebiet. Die Soldaten verstecken ihre Panzer im Wald, warten auf weitere Befehle, verwischen ihre Spuren und führen erneut technische Kontrollen durch. Ihr Modell ist der Leopard 2A7V – einer der modernsten Panzer weltweit. Manche schreiben dem Leopard aber mittlerweile ein veraltetes Grundgerüst zu: die erste Variante rollte 1978 erstmals vom Band. In den 2040ern soll er bei der Bundeswehr dann endlich abgelöst werden. Bis dahin hat der rüstige Rentner aber noch eine lange Zeit vor sich.
(sb)